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VII. Abschnitt. Sanitäts- und Gesundheits-Polizei

Full text: Bürgerbuch für die Stadt Charlottenburg / Kuhlow, Gustav (Public Domain)

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Sanitäts- und Gesundheits-Polizei. 
Vor aflicht ugen der Herrremen. 
R.-Pr.-«V. vom 5. Februar 1884. (A.“Bl. S. 63.) 
Auf Gruud des Gesetzes, betr. die P-Verw. vom 11. März 1850, 8 11 
und 12, sowie des Organisations-Gesetzes vom 26. Juli 1880, 8 73 und mit 
Zustimmung des Bezirksraths wird für den Umfang des Regierunas-Bezirks 
Potsdam hiermit Nachstehendes verordnet: 
8 1. Alle Hebammen stehen unter der Aufsicht des Kreis-Physikus, bezw. 
Stadt-Physikus, und sind — unbeschadet der durch besondere polizeiliche An— 
ordnungen ihnen auferlegten anderweitigen Meldungen — verpflichtet, sich 
bei dem Beginn des Gewerbes persönlich bei dem Physikus zu melden und 
ihm das Prüfsungs-Zeugniß, sowie die erforderlichen Instrumente und Geräthe 
nebst Lehrbuch und Tagebuch vorzulegen. Auch wenn eine Hebamme ihre 
Wohnung wechselt, hat sie dieses dem Physikus anzuzeigen. 
F 2. Jede Hebamme miuß sich bei der Ausübung ihres Berufes genau 
nach dem Hebammen-Lehrbuche bezüglich der in demselben enthaltenen In— 
struktion und den dieselbe abändernden und ergänzenden Bestimmungen 
richten.!) 
8 3. Jede Hebamme muß ein Tagebuch führen. Dieses ist für jedes 
Jahr besonders nach dem Schema anzulegen, welches in dem Hebammen— 
Lehrbuche für die alljährlich dem Kreis-Physikus oder dem die Stelle desselben 
vertretenden Arzte einzureichende Geburtsliste vorgeschrieben ist. In dem 
Tagebuch sind sämmtliche von der Hebamme im Laufe des verflossenen Jahres 
besorgten Geburten zu verzeichnen. Das Buch muß dem Physikus oder dem 
die Stelle desselben vertretenden Arzte im Monat Januar eingereicht werden. 
84. Jede Hebamme muß im Besitz der im Hebammen⸗-Lehrbuche und 
durch etwaige weitere obrigkeitliche Verordnungen vorgeschriebenen, im guten 
Zustande erhaltenen Instrumente und Geräthe, der erforderlichen Desinsektions— 
mittel und des Lehrbuches sein. 
8 5. Die Hebamme muß nach Maßgabe der P.V. vom 11. Dezember 
18792) jeden in ihrer Praxis vorkommenden Fall von Kindbettfieber, sowie 
jeden den Verdacht des Kindbettfiebers erregenden Krankheitsfall, ferner jeden 
Todesfall einer Gebärenden unverzüglich dem Phnysikus schriftlich oder mündlich 
anzeigen. 
g 6. Jede Hebermment sich alle drei Jahre einer Nachprüfung vor 
dem Physikus und bei bem Richtbestehen jedes Vierteljahr bis zur Erfüllung 
der gestellten Anforderungen einer abermaligen Prüsung zu unterziehen. Der 
Aufforderung, sich behufs dieser Nachprüfungen an dem bestimmten Orte zu 
der sestgesetzten Zeit einzufinden und ihre Geräthschaften, Tagebuch und Lehr— 
buch mitzubringen, hat sie Folge zu leisten; wenn sie durch dringende Vor— 
lommnisse hieran verhindert werden sollte, so muß sie unverzuͤglich dem 
Physikus dieses anzeigen und ihr Ausbleiben rechtfertigen. 
5 7., Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden — abge— 
sehen von der sirasrechtlichen Versolgung im Falle dadurch verursachten Schadens 
— mit einer Geldstrafe bis zum Betrage von 30 Mark und bei den im 8 5 
vorgesehenen Fällen im Betrage von *Mark bestraft. 
Potsdam, den 1. Februar 128 
DTer Regierungs-PRöent. 
) Vergl. hieru die MinAnrw. für die Hekammen betr. die Verlütung des Kindbett— 
fiebens vom 22. Nercuber S. Abschnitt VII. F. —. 
2) Siche S. Abschnitt VI. . —
	        
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