Path:
III. Armenverwaltung

Full text: Ortsrecht der Stadt Berlin-Schöneberg (Public Domain)

139 
8 28. 
Der Gemeindewaisenrat hat mit den Waisenpflegerinnen in Unterstützung des Vor⸗ 
mundschaftsgerichts darüber zu wachen, daß die Vormünder der in seinem Bezirk befind⸗ 
lichen Mündel für die Person der Mündel, insbesondere für ihre Erziehung und ihre 
körperliche Pflege pflichtmäßig Sorge tragen (8 1850 Abs. 1BGB.). Die Aufsicht erstreckt 
sich auf alle Mündel, ohne Unterschied der Dermögenslage und des Standes. Besondere 
klufmerksamkeit ist den Derhältnissen derjenigen Mündel zuzuwenden, bei denen, wie 
insbesondere bei unehelichen Kindern, die Besorgnis vorliegt, daß die zunächst beteiligten 
Angehörigen zu einer Uufsicht nicht bereit oder fähig sind 
In welcher Weise diese wichtigste Aufgabe zu erfüllen ist, muß der Umsicht, der 
Opferwilligkeit und dem Takt der Waisenpfleger und der Pflegerinnen überlassen bleiben. 
In möglichst rücksichtsvoller und schonender Weise wird der Waisenpfleger durch häufige 
persönliche Besuche bei den Mündeln, sowie nötigenfalls durch Erkundigungen in der 
Schule eder bei Dienstherren und Arbeitgebern über Verhalten und Ergehen der Mündel 
alles Erforderliche zu ermitteln haben, damit er selbst ein sicheres Urteil gewinnt und zur 
fluskunftserteilung imstande ist. Um gleiche Ermittelungen sind auch die Pflegerinnen 
vom Vorsitzenden des Gemeindewaisenrats zu ersuchen. 
Cine regelmäßige, fortdauernde persönliche Uberwachung wird zwar nicht überall, 
aber doch in zahlreichen Fällen, namentlich bei unehelichen Kindern, geboten sein. 
829. 
Anzeigepflicht des Gemeindewaisenrats von Mängeln und Pflichtwidrigkeiten. 
Der Gemeindewaisenrat hat dem Pormundschaftsgericht Mängel und Pflichtwidrigkeiten, 
die er in hinsicht der Erziehung und Körperpflege der Mündel wahrnimmt, anzuzeigen 
und auf Erfordern über das persönliche Ergehen und das Verhalten eines Mündels 
Auskunft zu erteilen (F 1850 Abs. 1 BGB.). 
Die Vermögensverwaltung eines Vormundes unterliegt nicht der UÜbecwachung 
durch den Gemeindewaisenrat. Erlangt dieser aber Kenntnis von der Gefährdung des 
Dermögens eines Mündels, so hat er dem Vormundschaftsgericht Anzeige zu machen 
(8 1850 Abs. 2 BGB.. 
8 30. 
Mitteilung des Vormundschaftsgerichts über Aufenthalt von Mündeln und 
Vormündern usw. Das Vormundschaftsgericht ist gesetzlich verpflichtet, dem Gemeinde— 
waisenrate die Anordnung der Vormundschaft über einen sich in dessen Bezirk aufhaltenden 
Mündel unter Bezeichnung des Vormundes und des Gegenvormundes sowie einen in 
der Person des Vormundes oder des Gegenvormundes eintretenden Wechfel mitzuteilen. 
Ebenso ist der Dormund verpflichtet, von einer Verlegung des Uufenthalts des 
Mündels in den Bezirk eines anderen Gemeindewaisenrats dem Gemeindewaisenrat des 
bisherigen Aufenthaltsorts Kenntnis zu geben (88 1850, 1851 BGB.). Von der Unter—⸗ 
lassung dieser Anzeige hat der Gemeindewaisenrat eintretendenfalls dem Dormundschafts⸗ 
gericht Mitteilung zu machen, welches den Vormund zur Erfüllung seiner Pflicht nötigen⸗ 
falls durch Ordnungsstrafen anzuhalten befugt ist. 
Die Aufenthaltsveränderung hat der Gemeindewaisenrat, in dessen Bezirk der 
Mündel sich bisher aufgehalten hat, dem Gemeindewaisenrat, in dessen Bezirk der Auf⸗ 
enthalt verlegt worden ist, mitzuteilen. Zu diesem Behuf ist die Mündelkarte, auf der die 
neue Wohnung zu vermerken ist, an die Armendirektion zu übersenden. 
831. 
Einleitung einer Vormundschaft. Die Einleitung einer Vormundschaft erfolgt in 
der Regel auf Grund einer Anzeige des Standesbeamten. Wird bei einem Standes— 
beamten der Tod einer Person, die ein minderjähriges Kind hinterlassen hat, oder die 
Geburt eines ehelichen Kindes nach dem Tode des Vaters oder die Geburt eines unehe— 
slichen Kindes oder die Auffindung eines Minderiährigen, dessen Familienstand nicht zu 
20
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.