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Zille und seine Modelle

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

Zille und seine Modelle. 
Bezeichnend für den Menschen und für den Künstler ist 
seine Stellung zu seinen Modellen. Künstler, die wie Zille das 
Volk schildern wollen, müssen ganz in der Seele des Volkes 
aufgehen, dürfen seine Eigentümlichkeiten nicht von außen 
wie eine ethnographische Merkwürdigkeit betrachten. Son- 
dern sie müssen mit dem Volke empfinden, müssen alles 
mit ihm miterleben, müssen mit ihm leiden und jammern, 
mit ihm aufbegehren und drohen, sich mit ihm freuen und 
mit ihm lachen. 
Das hai Zille denn auch Zeit seines Lebens getan. 
Er ist jahrzehntelang „ein Knecht c°3 Kapitals‘ gewesen, 
hat sich immer als Preletarier ...ılı. Aus dieser seelischen 
Einstellung zur Umwelt „7 n1€e he---sxewachsen. Vielleicht 
war es für ihn eine innere Begrenzihcı.. Er hatte in gewissem 
Sinne keine Entwicklung. Aber um so “ruchtbarer machte ihn 
das auf seinem eigensten Gebiet, auf dem Gebiet dessen, 
was wir unter „llekunst verstehen. 
Seine Gestu!‘-- seine proletarischen Männer und Frauen, 
seine kessen wid £2ine rhachitischen Zillekinder leben aus 
dem Innern heraus. Sie sind nicht nur abgezeichnet. Sie 
sind im wahrsten Sinne des Wortes in tiefster Seele er- 
lebt. Sie haben in jedem Strich alles das, was ein überarbei- 
teter Mann, eine abgehetzte, verhärmte Frau, ein verschnapstes 
Wesen, ein verkümmertes Unglückskind empfinden und er- 
leben. 
Dies haben sicher alle seine vielen Modelle aus dem Volke 
empfunden, die ihm freiwillig oder unfreiwillig Modell ge- 
standen haben. Er stand sich immer gut mit ihnen. Und 
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