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Zille-Feste

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

Welle von Tanzpaaren, bunt durcheinander, wirbelt um die 
Musikantenbühne herum. Und Zille, der schon die Freude 
am Fest verloren zu haben schien, sieht nochmals freudig 
hinein in diesen Trubel. Als aber wieder der Bettel um 
Autogramme anfängt, schüttelt er den Konf: 
„Nee — nu ist’ menug...!‘ Und leisa sagt er zu seinem 
Nachbar: „W:-7 %r jedes Autogramm ’ne Mark kriegen 
würde, hättr * "eich" mehr, als wie ich so dafür kriege, 
daß se mit meinen "\amen krebsen gehen. 
Man wil" hm das nicht glauben. Neidische meinen, er 
werde reich durch den Zilleball. Aber er bekommt vielleicht 
für alle die wochenlangen Scherereien und Belästigungen 
- schon monatelang vorher quälen sie ihn um Freikarten, 
und muß er Ratschläge für die Ausstattung und Propaganda 
erteilen — nun. er wird höchstens einen Monatslohn eines 
Angestellten bekommen. 
„Ja, von die Arbeit wird man nich reich! Bloß, wenn man 
den Profit zieht von der Arbeit anderer... 
Und dann wollen noch Unzählige von ihm hören, ob sie 
„echt“ sind, ob er sie für wirkliche Zillekinder halte. 
Väterlich gibt er manchem ein gutes Wort und sieht manch 
Mädchen freundlich an. Schließlich muß er noch die Prä- 
miierung der besten Zilletypen überwachen oder gutheißen. 
Und nur ab und zu einen Schluck aus der Pulle. Aber nicht 
aus ’ne Sektpulle oder aus der Kopnakflasche. Nein, schon 
seit einem Jahr begnügt er sich mit Fachinger Wasser oder 
einem andern Brunnen und kühlt seinen heißen Körper, der 
zu glühen scheint im Lärm des Balles, in der lauten Jazz- 
musik, dem Gesang und Gekreisch und Gejohle und dem 
Gedudel mehrerer Leierkasten der Fröhlichen und im heißen 
Dunst, der von den Tausenden von Tanzenden aufsteigt, 
Das letztemal *=stete er vom Kognak beim Sommerfest im 
Lunapark, wo er auch sl<‘ Preisrichter seines Amtes waltete. 
„Feine französische Mırlks' Aber ich nahm nur ein paar 
Tropfen auf die Zunge — das brannte im ganzen Körper 
wie Feuer! Das war richtiges Feuer!“ 
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