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Zille-Feste

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

In einer Tanzpause — der große Mittelraum ist fast leer 
kommt ein Mann in Arbeiterkleidung, eine emaillierte 
Kaffeekanne und einen Frühstückspacken in Zeitungspapier 
in der Hand. Aufatmend läßt er sich auf den Rand des 
Podiums nieder, wickelt das Päckchen aus — nimmt eine 
Stulle und ißt — und nimmt einen Schluck aus der Kaffee- 
kanne: ganz wie ein Straßen- oder Bauarbeiter, der seine 
Frühstückspause macht. 
Einige Herumstehende aber durchschauen, daß er auch 
nur ein Ballbesucher ist, der seine Frühstückspause mimt. 
Im Nu haben sie sein Päckchen geplündert — einer bricht 
dem andern ein Stück von dem Butterbrot ab — die Kanne 
wandert von Mund zu Mund: eine große vergnügte Menge 
umgibt den frühstückenden Arbeiter, mit dem auch sie ge- 
meinsame Sache machen. 
Alle die Besucher des Zilleballes machen gemeinsame Sache, 
sind einig in dem Willen und in dem Bewußtsein, sich har- 
monisch und auf dem Boden eines gemütvollen, lustigen und 
verständigen Berlinertums zu unterhalten und ein unge- 
zwungenes Fest zu genießen. Wer glaubt, das Berlinertum 
müsse sich hier roh und ordinär äußern, der irrt im wesent- 
lichen. Hier offenbart sich der Berliner als durchaus gar 
nicht übelnehmerisch, als Liebhaber eines freudigen famili- 
ären Humors, als vielleicht nicht immer hoffähig aber „hof“- 
lustig. Ab und zu ist er auch mal derb. An der Rutschbahn 
freut er sich juchzend über das, was Mädchen sonst nicht 
zeigen, aber was sie hier nicht verstecken. Wer auf den 
Treppen hübschen Mädchen begegnet oder an dem sie vorbei- 
gehen, während er mit fideler Gesellschaft am Tisch sitzt, 
beweist ihnen eine handgreifliche Huldigung, indem er sie auf 
den Teil des Rückens klatscht, wo er „anfängt schön zu 
werden“‘. 
Der Begleiter des schönen Mädchens rächt sich sofort, 
indem er bei der Frau dessen, der zuerst ‚„klatschte‘, den 
Klatsch wiederholt oder auch nur drohend-gutmütig sagt: 
Ro
	        
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