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Zille-Feste

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

kommen, wo er zwei Jahre „gesessen“ hat. Seine Freundin 
hat sich unterdessen einem andern Manne angeschlossen — 
Matrosenkarl ist niedergeschlagen — eine andere will ihn auf- 
richten — aber seine frühere Freundin verrät ihn und 
Matrosenkarl wird wieder abgeführt: nach Plötzensee. 
Diese einfache Handlung ist mit mehreren reizenden und 
auch einigen echten Gesängen durchzogen, von denen hier 
zuerst das Auftrittslied vom Matrosenkarl mitgeteilt sei: 
Zwee Jahre saß ick widder in de Plötze! 
Ach detse ickse nie jesehen hättse! 
Zwee Jahre Einzelhaft uf Flüjel C — 
Und täglich blauen Heinrich — na nu nee! 
Ihr werdet mein Jefiel ja leicht ermessen. 
Ihr habt ja alle ooch darin jesessen! 
O welch Jefiel voll Unbeschreiblichkeit 
Zwee Jahre ohne holde Weiblichkeit! 
Radieschen, eine Siebzehnjährige mit Kind, singt dann ein 
etwas wehmütiges Lied von der Singuhr von Parochial (der 
Parochialkirche), dessen erster Vers das Leben vieler Kinder 
jener alten Berliner Gegend recht anschaulich malt: 
Ick habe ooch jespielt als Kind! 
Der Hof war jrau und kahl, 
So wie die Höfe alle sind 
Um Sankt Parochial, 
De Mutter, die jing abends aus - 
Ick weeß et nich, wohin - - 
Ick saß de Nacht alleen zu Haus, 
Alleen im Stübeken. 
Ick jraulte mir — de Nacht war lang, 
Im Ofen jing der Sturm, 
Und stindlich bloß de Singuhr sang 
Vom Parochialkirchturm:
	        
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