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Aus der Gesellenzeit Heinrich Zilles

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

arbeiter — sie alle wurden in kurzer Zeit mit oft nur wenigen. 
aber immer gewissenhaften Strichen aufs Papier gebracht. 
Er selbst er7*hlt aus jenen Tagen: 
„Als junger Geselle kam ich zu einem Musterzeichner in 
die Sebastianstraße. Da zeichneten wir Musterhefte von 
Henckels Messern mit Schildpatt- oder Hirschhorngriffen. 
Und das mußte genau zu erkennen sein, was für Material 
das war. 
Solche Musterbücher wurden damals nicht gedruckt, son- 
dern gezeichnet. Das Drucken war noch zu teuer. Vor allem 
die Klischees. Und die meisten Musterbücher wurden nur 
in ein paar Exemplaren für die Reisenden hergestellt. Aber 
alle halbe Jahr neu! 
Auch Beleuchtungskörper mußten wir zeichnen. Elek- 
trisch Lich” '’s noch nicht. In den guten Stuben standen 
große Prun: mpen mit Petroleumbassins. Oben, um die 
Flamme abzudämrfen, wurden Glastulpen mit eingeätzten 
Bildern aufgestülpt. Diese Bilder mußten genau in den 
Musterzeichnungen zu erkennen sein. 
Das war ’nc knifflige Arbeit ” mußte man sein Hand- 
werk verstehen. 
Und dann die Modezeichnungen! Das waren damals lauter 
Lithographien. Feine Kleider mit Schleifen, Falten, Rüschen, 
aufgebauscht an den Hüften — und hinten erst! Die Tour- 
nüre — na, das nannten wir damals Tonhalle ... (Siehe 
Bild 187.) 
Außerdem machten wir auch Deckel für die kleinen Bücher 
mit interessanten Geschichten. Das mußten immer hübsche 
tanzende Püppchen sein — mit’n Sektglas und hübschen 
Waden. So’n "rauenbein — das war damals was! Die Büch- 
lein (siehe Bılc 186 und 188) wurden auch kaum von 
ordentlichen Buchhändlern vertrieben. Di. kriegte man da- 
mals auf den Zahnhöfen und bei Fapierhändlern. 
Wir jungen Leute kannten natürlich alle die Geschichten. 
Drei Jahre lang machte ich als Geselle Soldatenbilder. 
Damals wurden diese wunderschönen Lithographien tausend- 
Tom ey
	        
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