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Zille als Sozialkritiker

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

Wie der Galgenhumor alles überwindet, zeigt sein Wort: 
„Aus großer Zeit‘: 
„Nich mal begraben kann man wer'n, et jiebt keene Särje 
mehr!‘ 
„Ick fange an zu stinken, dann wer'n se mir schon holen!“ 
Bitter klagt Zille die verständnislose Zeit vor dem Kriege 
an in der Unterschrift: 
„Wat hat denn der Kronprinz jesagt, Großmutter?“ 
„Er hat mir een Zehnpfenniger zum Andenken gegeben 
und sagte, ich soll’n nich vernaschen!“ 
Aus dem Krieg selbst stammt der echte Volksliedvers: 
Die Gesundheit ist verloren, 
Wo soll’n wir denn nun hin? 
Alsdann so wird es heißen: 
Ein Vogel ohne Nest — 
Nun Bruder nimm den Bettelsack, 
Soldat bist du gewest! 
Auch dieser Schmerz stammt aus den Hungerjahren des 
Krieges: 
„Na, Olle, laß man nichts in de Suppe fall’n!“ 
„Wenn schon! eene Laus in Kohl is besser wie jar keen 
Fleesch!“‘ 
Und die Verständnislosigkeit für das, was dem hungernden 
Volk am nächsten liegen muß, äußert sich bei dem mit der 
Bibel in einem frommen V-rein beschenkten Familienvater 
nach der Christbescherunz;; zu urn NO.: 
„Wenn jetzt eener wat von uns will, denn hau’ ick ihm mit 
det Wort Jottes uff’n Schädel, det er brüllt wie'n Affe!‘
	        
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