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Der fünfte Stand

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

Der fünfte Stand. 
Der fünfte Stand — das sind die wirklichen Proletarier. 
Das sind die Leute, die nichts mehr besitzen, die nicht mal 
mehr die Hoffnung besitzen. Die nicht mehr die Möglich- 
keit sehen, aus diesem Zustand herauszukommen. 
Die andern F --letariar sind ja heute in Wirklichkeit keine 
Proletarier mehr. Durch das Kassenwesen, durch die öffent- 
lichen Versicherungen sind sie mit der ganzen Wirtschaft ver- 
knüpft und haben Anteil an dem gewaltigen Besitz des Rei- 
ches und der Gemeinden und an unendlich viel andern 
Gütern. Wirkliche Proletarier sind heute eigentlich nur 
noch die Landstreicher und Pennbrüder. 
Auf den Straßen sieht man sie selten. Sie haben ihre 
stillen Winkel, wo sie ungestört ihr glückselig-unglückselig 
Leben verbringen. Auf einzelnen Plätzen, in der Nähe be- 
rühmter Schnapslokale, halten sich wohl einzelne Trupps. 
Sie verschwinden da in der Masse der Menschen, sie sind ge- 
borgen durch die Menge. 
Aber meist haben sie dort, wo sie einen gelegentlichen 
Verdienst finden, wo sie zur Nacht unterkriechen können, 
ohne Geld dafür ausgeben zu müssen, und wo sie vor jedem 
spähenden Auge sicher sind. 
Viele „pennen‘“ in Möbelwagen. Überhaupt sind die Fuhr- 
höfe und Garagen ein beliebter Unterschlupf der Pennbrüder. 
Da verdienen sie sich ab und zu durch Handreichungen die 
Erlaubnis, in den Ställen nächtigen zu dürfen. Auch in der 
Nähe von Steinplätzen und Holzhandlungen halten sie sich auf. 
Am häufigsten aber leben sie auf den großen Terrains 
der zahlreichen Güterbahnhöfe Berlins. Die vielen Lager- 
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