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Kleinbürger und Proletarier

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

händlern sind so arm an Geld und Begabung, daß sie immer 
im Elend stecken bleiben ... 
Manche treiben es aber so kräftig wie jener Kneipwirt: 
„Mensch, Budiker, deine Eisbeene sind ja lauter Knochen!“ 
„Det is jetzt so ’ne Sorte Schweine, die hab’n doppelte 
Knochen!‘ 
Oder wie ein anderer, von dem Zille meldet: 
Meine Wurscht is jut — 
Wo keen Fleesch is — da is Blut — 
Wo keen Blut is — da sind Schrippen 
An meine Wurscht is nich zu tippen! 
Schlimmer noch ist jener Schlächter, aus dessen Wurst- 
fleischtonnen die Maden in großen Zügen aufsteigen — die 
dann der Meister alle mit in der Wurstmasse verarbeitet: 
„Wat man mit det Viehzeug for eene Arbeet hat, det el 
bloß nich zu die Kunden alleene hinlooft!‘ 
In diesen Kreisen gedeiht dann auch die echte Spießer- 
moral. 
Ein Vielseitiger sagt: 
„Bei mir jiebt’s det janze Jahr bloß zwee Feiertage! Det 
is Kaisersjeburtstag und der erste Mai!“ 
Mudike macht Bilanz: 
„Ick habe meine Seelige übastanden — 
Ick habe Kaiser Wilhelm übastanden — 
Ick wer’ ooch die Republik übastehn!“ 
In solchen Händlerfamilien gedeiht auch Protzerei und 
komische Selbstgefälligkeit:
	        
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