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Zille-Fräuleins

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

nichts daraus und überlassen ihr Kind einer kinderlieben 
Freundin oder Schwester. Daraus entstehen dann Zusammen- 
stöße: 
„So, uff eenmal is dir die Schlafstelle bei uns zu teier! 
Hast’n Hausschlüssel, warme Stube, und deinen J ungen still 
ick ooch noch!‘ 
Und schließlich enden die Mutterfreuden der Fräuleins 
nur zu oft wie beim Fräuleinskind (Bild 103), von dem die 
alte Nachbarin sagte: 
„Ja, Freilein, so'n kleenet Kind is eijentlich erst scheen, 
wenn’ts tet ©: '“ 
Aber viele dieser Fr*uleinsmütter sorgen gut für ihre vater- 
losen Kinder, bringen sich durch als Heimarbeiterinnen und 
erziehen sich an .hrem nde einen guten Kameraden, 
(Bild 98.) Ob dies *"iicv immer gut is. für diese Kinder, 
ob die Mutter immer reichlich genug für sie sorgen kann, 
ist allerdings sehr fraglich. Sie suchen sich darum wieder 
einen Vater für ihre Kinder. Der aber will besonders gut 
behandelt werden, wie der spät heimkehrende Schlafbursche, 
der seiner Schlummerwirtin auf ihre Ermahnungen zum soli- 
den Lebenswandel erwidert: 
„Nu mach man wieder Meck, Meck! Du kannst doch keen 
nacklichten Mann een Bonbon ans Hemde kleb’n! Du bleibst 
die Schlafbosten, un ick dein Aftermieter! Ick komme wie ick 
will!‘ 
Das ist die Antwort der Männer auf den etwas rauhen 
Empfang. Vielleicht haben diese Fräuleins eben nicht jene 
innere Sanftheit, die den Mann fesselt und von der Zille 
schelmisch und vieldeutig sagt: 
Det Inn’re sanft, doch rauh de Hille — 
So sieht de Damen 
Heinrich Zille. 
» 
A 
BA
	        
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