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Zille-Mächens

Full text: Das Zillebuch / Ostwald, Hans (Public Domain)

un’ wie die Prominenten alle heißen — dann denkt man, 
det se woll alle in die Kaschemmen sin’ uffjewachsen — ihre 
janzen Fisimatenten hah’n se sich von uns 89 hintenrum ab- 
jekiekt und sich 8m que wijeschn“"” It — Kunststück!“ 
Siehe Bile 
Das sind dieselben Menschen, von denen Zille unter ein sehr 
echtes, unter sein hestes Bild aus dem Scheunenviertel schrieb: 
Sehet die ’“-" unter dem Himmel, sie säen nicht, sie 
ernten nicht 
Auf diesem Bild gingen Straßenmädchen neben alten ge- 
bückten Arbeitern, schwangeren Frauen und rhachitischen, 
unterernähr! 7 ndern an den ver“ "den Häusern entlang. 
Das Äußerc der Mächens hat ©. war gewandelt — 
wenige gehen jetzt noch mit dem nen Taarwulst und der 
Schürze. Sie haben alle die Mode mitgemacht, sich verjüngt. 
Laufen mit Bubikopf und kurzen Kleidern und brauchen nicht 
mehr mit dem weißen Unterrock .‚,winken‘‘, brauchen nicht 
mehr die Röcke anheben (Bild =). Aber ihr Lebensinhalt ist 
der gleiche geblieben. 
Die meisten bleiben stecken in dem „Lebenswandel‘ und 
tippeln als Straßenmädchen weiter ihren Weg, leben weiter 
zwischen alten, gedrückten Arbeitern, kränklichen, unterer- 
nährten Kindern und überbürdeten Frauen . 
Voll Bitternis über soziale Ungerechtigkeiten schrieb Zille 
unter ein Bild, das Mächens zeigte, wie sie zur ärztlichen Kon- 
rolle nach der Sittenpolizei gehen: 
Und wirst du die Geschlechter beide fragen: 
„Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nach Sitte.‘ 
Aber er zeigte die Mächens auch, wie sie ihre Erlebnisse — 
selbst im Warteraum der „Sitte“ auf dem Alex— gern mit 
Scherzen heiter durchwürzten: 
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