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Begegnungen mit Heinrich Zille

Full text: Zille's Vermächtnis / Ostwald, Hans (Public Domain)

Spott: „Sind Se auch Maler? Nich? Na, denn sind 
Se doch eigentlich ein ganz glücklicher Mensch!“ ... 
Unser Lachen verscheucht jede ZBefangenheit und 
schafft gleich eine Stimzur“" vll von Vertrauen — 
wie könnte man wohl auch vei ...Jle befangen sein! 
Der noch halbvolle Suppenteller gerät mit einem 
Schwung gefahrdrohend an den Rand des Tisches, 
einige lose Blätter fliegen ebenfalls dorthin, und 
dann will er sich mir gegenübersetzen, aber seine 
Hand greift jäh an die Brust. — „Es is’ wie ver- 
rückt . . . vorhin erst aus dem Bett gestiegen, und 
nu ruckt« und zerrts schon wieder — man wird 
doch älter 
Aber da er mit schmerzverzogenem Gesicht zum 
Fenster sieht überfallen von Bruststichen, schwindet 
plötzlich die krampfhafte Spannung im Antlitz — 
es erinnert mı.h an wolkenüberdachte Landschaften, 
an den Uebergang vom Schatten zum Licht — und 
weicht einer sorglosen Unbefangenheit: am Fenster, 
wo mehrere Vogelbauer stehen, äugt von außen für 
Sekunden ein Sperling ins Zimmer und fliegt dann 
wieder beschwingt davon. Doch den Meister scheint 
das auf andere Gedanken gebracht zu haben: denn 
er schaut, bevor er sich am Tisch niederläßt, weh- 
mütig zu seinen grüngefiederten Vögeln hin. „Det 
sind noch die besten! Man weiß bloß nich, was se 
denken . . .‘ 
„... Wenn mir solch Jüngling nu sagt, daß er 
Zimmermann is und ıCci 1lur sage, daß ist’'n schöner 
Beruf, €* w® ve h' .urbeii haben ... Was 
sagen Si Lu „aufn man denn da nicht 
mehr verdienen; -- Besonders aber die angehenden 
Maler! Die erste Frage is immer: ‚Habe ich Ta- 
lent?‘ _.ann ich auf diesem Wege fortschreiten?‘ 
Ja. und wissen Se. da sagte ich mal einem. auf sei-
	        
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