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Teil V. Die Brauindustrie im Rahmen des deutschen Wirtschaftslebens

Full text: Actien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe, vormals Patzenhofer, Berlin, Spandau, Fürstenwalde (Public Domain)

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betrug, Berücksichtigt man dabei, daß nur die männliche Bevölkerung 
zwischen 15 und 70 Jahren für den eigentlichen, d, h. mehr oder weniger 
regelmäßigen Biergenuß in Betracht kommt, so ergibt dies pro Kopf 
dieses Teils der Bevölkerung ungefähr das Dreifache von dem Konsum 
der Gesamtbevölkerung Deutschlands, also etwa 300 Liter. Auf jeden er- 
wachsenen Mann, einschließlich dessen Familie, entfallen demnach täglich 
etwa 0,85 Liter Bier oder ungefähr 2 Glas Bier. Nur ein abgeschworener 
Feind jeglichen, auch des mäßigsten Genusses geistiger Getränke dürfte 
diesen Bierverbrauch übertrieben hoch finden. Daß die Brauindustrie als 
Produzentin eines solch allgemein beliebten, fortschreitend verbesserten und 
veredelten, der Gesundheit zuträglichen Getränks einen für das öffentliche 
Volkswohl wertvollen Faktor bilden muß, leuchtet ohne weiteres ein. 
Aber auch in volkswirtschaftlicher Beziehung hat das Braugewerbe 
große Bedeutung erlangt: Die deutsche Brauindustrie hat sich im Laufe der 
letzten vier Jahrzehnte aus einem auf Empirie beruhenden Handwerk zu einer 
der wichtigsten Großindustrien entwickelt. „Es gibt kaum ein Gewerbe, das 
mit der Landwirtschaft, der Industrie, den finanziellen Staats- und Ge- 
meindeinteressen, dann auch der Hygiene im allgemeinen so innig zu- 
sammenhängt, wie gerade das Braugewerbe. Die Landwirtschaft wünscht 
als Hauptlieferantin der Rohstoffe eine möglichst starke Ausdehnung des 
Gewerbes, die Industrie mit dem damit verbundenen Handel und Verkehr 
desgleichen im Interesse der Verarbeitung der landwirtschaftlichen Roh- 
stoffe und der Verteilung der Produkte. Staat und Gemeinde richten 
naturgemäß ihr begehrliches Auge auf dieses Gewerbe, denn das Produkt 
— Bier — ist ein Artikel des Massenkonsums, das zu einer erheblichen 
Verbrauchsbesteuerung geradezu einlädt.” (Dr. Ritter v. Renauld.) Während 
jedoch in dem klassischen Bierlande Bayern das Braugewerbe von 
jeher als des Landes „Haupt- und Nationalgewerbe” (Rudhardt, Über den 
Zustand des Königreichs Bayern, 1825) galt, gewann es in Norddeutschland 
erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mehr und mehr 
an Bedeutung, Mit in erster Reihe stand hierbei die Provinz Branden- 
burg, wo sich die Brauindustrie in der Folge rasch zu hoher Blüte entfaltete. 
Wie sich die gesar:te Biererzeugung im deutschen Reiche, in der nord- 
deutschen Brausteuergemeinschaft — die bekanntlich außer Bayern, Württem- 
berg, Baden und Elsaß-Lothringen alle übrigen Landesteile Deutschlands 
umfaßt — und speziell in der Provinz Brandenburg gestaltete, zeigt 
Tabelle I auf Seite 84. 
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