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Teil III. Der Werdegang des Patzenhofer-Bieres

Full text: Actien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe, vormals Patzenhofer, Berlin, Spandau, Fürstenwalde (Public Domain)

Auf dem sauber gepflasterten .Hof reihen sich mächtige Gebäude, 
überragt von dem schlanken Schornstein, zu dessen Füßen der geräumige 
Silo für die Kohle liegt, die mittels Elevatoren auf einen Speicher 
emporgeschafft wird; aus letzterem mißt eine automatische Wage den 
stündlichen und täglichen Verbrauch den Dampfkesseln zu, welche, dicht 
aneinander gereiht, selbsttätig beschickt werden; auf beweglichen Rosten 
verbrannt, die Siederohre in glühendes Feuer hüllend, gibt so die im 
Laufe von vielen Jahrtausenden im Erdschoß aufgespeicherte Sonnenkraft 
ihre Energie zurück in den Dienst der industriebeflissenen Menschheit. 
Hier im Kesselhaus ist die Zentralwärmequelle für den ganzen Betrieb, 
hier werden die Spannkräfte erzeugt, welche die Maschinen in Bewegung 
setzen, um Licht, Kraft und Kälte zu erzeugen und auf alle Sparten und 
für alle Zwecke des weitverzweigten Betriebes zu übertragen. Die ge- 
waltige Spannkraft von 14 Atm. wird durch eine dicke Dampfleitung den 
Maschinen vermittelt, welche im lichten, luftigen Maschinensaal aufgestellt 
sind. Mit Staunen sieht der Beschauer die mächtigen Kurbelarme und 
Gestänge sich behende drehen, ebenso die beiden Kältekompressoren und 
mitten auf der Hauptwelle die aufgesetzte Schwungrad-Dynamomaschine. 
Kein Rohr und kein Riemen ist in dem Raum zu schauen. Hier im Ma- 
schinensaal ist das Herz des Betriebsmechanismus, von hier aus wird 
die elektrische Energie hunderten von Motoren in immer weiter sich ver- 
ästelndem Leitungsnetz zugeführt, und hunderte von Bogenlampen und 
Glühbirnen erleuchten die Räume und Höfe. Die Schaltanlage ist ein 
Meisterwerk moderner Elektrotechnik: sie gibt durch eine große Anzahl genau 
gehender Meßinstrumente Übersicht und fortwährend Aufschluß über die 
Entnahme von Energie für die einzelnen Antriebs- und Beleuchtungsgruppen 
und fixiert den Verlauf durch graphische Aufzeichnungen, 
Die Kältemaschinen senden vom Maschinenhaus nach allen 
Kellereien in weitverzweigten Rohren die auf 6—10° C, unter Null abge- 
kühlte Sole zur Kühlung der Räume, Gefäße und Apparate. 
Doch hat der vom Kesselhaus kommende Dampf im Leibe der Damp(t- 
maschinen seinen Zweck keineswegs erreicht. Für ihn ist die Kraftent- 
faltung in der Maschine nur eine Zwischenstation, denn er strömt nach 
teilweiser abgegebener Spannung weiter an jene Betriebsstellen, welche 
seine Wärme völlig ausnutzen, wie beim Kochen im Sudhaus, beim An- 
wärmen von Räumen und namentlich auch bei der Erzeugung großer 
Mengen warmen und heißen Wassers.
	        
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