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2. Abschnitt. Die Kistensendung an den Polizeioberst Krause

Full text: Paul Koschemann 1897-1907 (Public Domain)

gingen daher von der richtigen Fährte von vornherein ab. 
Wie oft aber Unschuldige durch falsche Voraussetzungen der 
Polizei in Verdacht und in Strafe kommen, pfeifen die Spatzen 
von den Dächern. Auch die weitere Untersuchung ging aus- 
schliesslich von dieser vorgefassten Meinung aus. Jede andere 
Spur übersah man geflissentlich. Wenn man diese Beharrlich- 
keit in der Annahme eines „anarchistischen Anschlages“ be- 
trachtet, so kommt man allerdings zu der Ueberzeugung, dass 
der Zweck der Kistensendung vielleicht erfüllt worden ist. 
Koschemann, ein junger, befähigter Genosse, der für die 
Propagierung der anarchistischen Idee eine bedeutende Kraft 
war, wurde auf lange Zeit aus der Bewegung herausgerissen. 
Die geistig rege anarchistische Bewegung, welche eben in 
Berlin wieder eingesetzt hatte, auf längere Zeit durch polizei- 
liche Massregeln unterbunden. 
Es wäre gut gewesen, den Fall auch nach der Richtung 
hin zu untersuchen, ob hier keine bezahlte Polizeiarbeit vorliege. 
Die Geschichte des Anarchismus weist eine Reihe solcher be- 
stellter FPolizeiarbeiten zwecks Diskretierung und Nieder- 
drückung der anarchistischen Bewegung auf. 
Eine andere Spur wäre vielleicht in der Familie des 
Polizeiobersten Krause zu verfolgen gewesen. 
==) 
3. Abschauitt. 
Das Beweismaterial gegen Koschemann. 
Die Ermittelung der Polizei und die spätere Unter- 
suchung gingen wie gesagt von [ganz bestimmten Voraus- 
setzungen aus, Man wollte einen anarchistischen Anschlag 
aus der Kistensendung machen. Als man einmal Koschemann 
ins Auge gefasst hatte als den Täter, spürte man nun jedem 
Worte nach, das er je geäussert, jeden Schritt, den er je ge- 
yangen. Und selbstverständlich, da man nur suchte, was 
man brauchen konnte für eine Anklage und alles ausschied, 
was nicht dazu brauchbar war, brachte man allmählich einige 
abfällige oder kritische Aeusserungen Koschemann’s zusammen. 
Das ist eben das Verderben eines jeden Angeklagten, dass 
bei allen Untersuchungen der Richter nicht ausgeht von dem
	        
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