Path:
2. Abschnitt. Die Kistensendung an den Polizeioberst Krause

Full text: Paul Koschemann 1897-1907 (Public Domain)

3 
ein dünner Bindiaden nach dem Uhrwerk. Um die weitere 
Konstruktion des Uhrwerks, welches die Explosion augen- 
scheinlich zu einer bestimmten Stunde herbeizuführen bestimmt 
war, zu verstehen, muss folgendes vorausgeschickt werden. 
Das eigentliche Uhrwerk bestand aus einer gewöhnlichen 
Weckeruhr. Auf die Wirbel auf der Rückseite der Uhr, 
welche zum Aufziehen des Uhr- bezw. Weckerwerkes dienen, 
waren Rollen von Nähmaschinengarn aufgeklemmt und mit 
Gips und Glaserkitt befestigt. Diese Rollen waren angebracht, 
um als Lager verschiedener Fadenleitungen zu dienen. Die 
so vorbereitete Uhr war nun in kurzer Entfernung hinter dem 
Revolver so befestigt, dass die Füsse der Uhr in Holzlagern 
verkittet‘: waren und ein an dem Träger der entfernteren 
Weckerglocke befestigter Draht das Uhrgehäuse nach hinten 
festhielt. Von der vorliegenden Abzugsstange des Revolvers 
führte nun ein dünner Bindfaden nach der Rolle des Wecker- 
wirbels und war hier mit einem Nagel befestigt. Die Kom- 
bination war nun augenscheinlich so, dass durch das Ab- 
schnurren des Weckers die Schnur an dem Revolverabzug 
auf die Rolle aufgewickelt, der Revolver durch den Abzug 
erst gespannt und gleichzeitig abgeschossen werden sollte. 
Der Revolver war mit Patronen geladen, welche noch die 
Bleigeschosse enthielten. Das Geschoss der abgeschossenen 
Patrone sollte vermutlich die Hülle des Pulvermagazins durch- 
schlagen und eine Oeffnung für die folgende Feuergarbe bilden. 
Durch das Pulvermagazin mussten die Zündschnüre zu den 
Flaschen entzündet, die Flaschenhälse durch das darin befind- 
liche Pulver zersprengt und der Inhalt der Flaschen zur Ex- 
plosion gebracht werden. Vermutlich um noch die Wirkung 
zu sichern, waren noch sowohl die Flaschen als auch sonst 
die Innenwände der grösseren Kiste mit sogenannten Schlag- 
röhren versehen, deren Zündschnüre auch nach dem Pulver- 
magazin führten. Da die Weckeruhren aber nur auf 12 Stunden 
vorher einstellbar sind, die Explosion aber augenscheinlich erst 
nach 24 Stunden erfolgen sollte, war noch eine andere Vor- 
richtung notwendig, welche durch folgende Kombination des 
Absenders der Kiste erreicht worden ist. Auf der Rolle des 
Uhrwerks war ein Bindfaden häufig umwickelt und das freie 
Ende über die Rolle des Weckers gezogen und an einem 
Nagel befestigt. Die Schnur von der Verlängerung der Re- 
volverabzugsstange war nicht straff angezogen, sondern locker 
gelassen und die Lockerung auf die Länge abgepasst, um 
weiche die Schnur von der Rolle des Uhrwerks während des 
Ganges der Uhr innerhalb der Zeit von der Einstellung des 
Mechanismus bis zu der Weckzeit (!z11 Uhr) abgewickelt werden 
musste. Die Dicke der Rolle am Weckerwerk und am Uhr-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.