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2. Abschnitt. Die Kistensendung an den Polizeioberst Krause

Full text: Paul Koschemann 1897-1907 (Public Domain)

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2. Abschnitt. 
Die Kistensendung 
an den Polizeioberst Krause. 
Wir bringen in der Darstellung der Anklageschrift gegen 
Koschemann den Bericht über die Kistensendung an den 
Polizeioberst Krause und die Beschreibung der Kiste selbst: 
„Am Sonnabend den 29. Juni 1895, abends zwischen 
7 und 8 Uhr wurde auf dem Kaiserlichen Postamt zu Fürsten- 
walde an der Spree als unfrankiertes Postpaket eine Kiste 
aufgegeben, die in braunes Packpapier eingehüllt war. Neben 
der Adresse war auf weissem Papier ein Glas abgezeichnet. 
Die daneben gleichfalls auf weissem Papier befindliche Adresse 
lautete: Herrn Oberst Krause, Berlin N.O., Alexanderplatz 2. 
Dieselbe Adresse war auf der Postpaketadresse angegeben. 
Als Absender war dort aufgeführt C. Becker, Fürstenwalde. 
Das Postgewicht ist auf 121, Kilogramm angegeben. Um 
11 Uhr 3 Minuten nachts ist das Paket mit der Bahnpost 
Zug 1100, von Fürstenwalde abgegangen, um 12 Uhr 30 Mi- 
nuten auf dem Schlesischen Bahnhof angekommen und um 
2 Uhr nachts auf dem Kaiserlichen Postpaketamt in der 
Oranienburgerstrasse hier eingegangen. Der dort im Ver- 
leseraum beschäftigte Posthülfsbote Bock bemerkte, dass aus 
dem Paket eine Flüssigkeit tropfte. Er besichtigte es näher 
und nahm dabei einen starken Benzingeruch wahr. Um sich 
zu überzeugen, ob die ausgeflossene Flüssigkeit Benzin war, 
zündete er ein Streichholz an, worauf jene hell brannte und 
einen starken Rauch entwickelte. Nachdem zunächst das 
Gewicht der Kiste auf 11 Kilogramm 680 Gramm festgestellt 
war, wurde sie auf Anordnung des Postassistenten Dobro- 
gowsky durch den Postschaffner Worbs geöffnet. Zuerst 
wurde der Bindfaden zerschnitten und die Papierhülle gelöst. 
Da das Benzin aus dem Boden hervordrang, wurde die Kiste 
so gestellt, dass der Deckel nach unten und der Boden nach 
oben gerichtet war. Der Boden wurde mittels einer Scheere 
vorsichtig abgelöst. Die Beamten nahmen jetzt wahr, dass 
sich in der Mitte der Kiste eine kleine Holzkiste befand, die 
mit Pulverbehältern versehen war. Rechts und links davon 
lagen 6 mit heller Flüssigkeit gefüllte und mit dunkeln Schnüren 
und weissen Gipstuten versehene Flaschen. Eine weitere 
Flasche war zerbrochen und zum grössten Teil ausgelaufen. 
Auch das Ticken eines Uhrwerks wurde gehört. Die Kiste
	        
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