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Eine Bestie. (Der Frauenmörder Karl Großmann)

Full text: Tiermenschen / Hyan, Hans (Public Domain)

schaften und dunklen Triebe ermöglichen — soweit näm— 
lich die Hemmung dem Antrieb überlegen bleibt. Ist die 
auf den Reiz folgende Veaktion stärker als unser „Wille“, 
sie zu überwinden, so fallen wir und straucheln. Die 
andern, denen oft genug die Angst das Herz würgt, 
ebenso zu erliegen, schreiten über uns fort oder weichen 
scheu zur Seite, das Gewand hebend, um es nicht an der 
„Schande“ des am Boden Liegenden zu beflecken. Manche 
wissen etwas von dieser ungeheuren Täuschung, der sich 
alle, die meisten, ohne sie zu begreifen, hingeben. Aber 
wenige haben den Mut, diesen jahrtausendealten Betrug 
anzuklagen. 
Wenn es begreiflich und vielleicht notwendig ist, 
heute noch, der Menge ihre Willensillusion zu belassen, 
so ist es die hohe Pflicht der Sehenden und Wissenden, 
immer von neuem ihre Stimmen zu erheben für den, der 
„doppelt elend“ ist, für den Entarteten, den Belasteten. 
Es ist ein grausiger Unfug, wenn Geistesstarke, Ge— 
bildete und Besitzende über einen zu Gericht sitzen, der 
minderwertig, ohne Erziehung und Bildung und von 
vornherein vom Dasein und seinen Freuden verstoßen, 
„schuldig“ dasteht. 
Wenn nicht genug Wenschenliebe lebt, wenn die 
Mittel fehlen, die vom Schicksal Gezeichneten schon in 
ihrer Jugend auszusondern, sie zu erziehen und, soweit 
es möglich ist, zu heilen, so hat es ganz gewiß keinen 
Sinn, diese Elenden, da sie erwachsen sind, zu richten und 
zu strafen. Nehmt sie still beiseite und laßt sie ihren 
Jammer tragen, wo sie nicht schaden können; aber schweigt 
dazu und laßt nicht in dummer Druckschrift dieses Bei— 
seiteschaffen der in sich selbst, ach! so hart Gestraften, als 
Heldentum eurer Gerechtigkeit und Weisheit ausrufen! 
Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet 
werdet!t 
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