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Schumann, der Massenmörder

Full text: Tiermenschen / Hyan, Hans (Public Domain)

Staatsanwalt noch der Vorsitzende, beides sicher wohl— 
wollende und keineswegs voreingenommene Juristen, 
waren imstande, den Abscheu, die Empörung zu verbergen, 
die ja Gestalten wie Schumann gegenüber so erklärlich 
sind, die aber doch der kühl wägenden Tätigkeit des 
Richters in jedem Sinne fernbleiben sollten. Es zeigt sich 
hier von neuem das schwere Manko in der Ausbildung 
unserer Strafjuristen, denen weder Psychologie noch Psy— 
chopathologie als Hochschuldisziolinen pflichtmäßig gelehrt 
werden. Hier muß der neue Strafprozeß Wandel schaffen. 
Wir brauchen Richter, denen der Mensch in seiner Ent⸗ 
artung ebenso vertraut ist, wie der sogenannte Normal— 
mensch. Ich habe darauf sowohl in meiner Schrift „Ver— 
brechen und Strafimumzen Deutschland““), 
wie auch in meinem Buch »erliner Gefäng— 
nisse“**) eingehend hingewi 
In diesem letzten Buche had ich aber noch eine an—⸗ 
dere Notwendigkeit besprochen, di der Schumann-Prozeß 
mit einer geradezu zwingenden Oxeutlichkeit von neuem 
erwiesen hat. Es handelt sich dabei um die Geständnisse, 
die Schumann sowohl vor dem ihn vernehmenden Po— 
lizei⸗ Oberwachtmeister Lahmann als auch später in wieder⸗ 
holten Einvernehmungen vor dem Landgerichtsdirektor 
Buddenberg und vor dem Landrichter Lönnies zweifellos 
abgelegt hat. 
Um diese Geständnisse hat sich innerhalb der Ver— 
handlung nicht allein mit Schumann, der sie generaliter 
in Abrede stellt, sondern auch unter den beteiligten Po— 
lizeibeamten ein herber Streit entspponnen. Schumann 
) Siehe Anmerkung Seite 51. 
**) Hans Syan, Berliner Gefängnisse, Rechtswissenschaft- 
licher Verlag von Puttkammer K Mühlbrecht, Berlin W 56. 
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