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Band H. 3

Inhaltsverzeichnis : Berliner Architekturwelt (Public Domain) Ausgabe 9.1907 (Public Domain)

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jetzt  Kurfürstenplatz,  mit  seinen  sieben  radienförmig ­
  ausgehenden  Baumalleen;  auch
die  große  Querallee  wird  durch  den  Garten
gelegt.
Unterdes  war  die  Stadt  durch  die  zunehmende ­
  Ausdehnung  von  Friedrichs-  und
Dorotheenstadt  gegen  den  Rand  des  Tiergartens ­
  im  Vorrücken  begriffen.  Friedrich
Wilhelm  L,  seit  1713,  ließ  in  kluger  Voraussicht ­
  die  Mauer  um  eine  weite  Strecke
herausschieben,  südwärts  bis  zum  Landwehrkanal, ­
  westwärts  bis  zur  Königgrätzerstraße;
  vor  den  drei  neuentstandenen
Toren  legt  er  innerhalb  der  Stadt  große
Plätze  an:  vor  dem  Halleschen  Tor  das
„Rondeei“,  den  rundovalen  Belleallianceplatz; ­
  vor  dem  Leipziger  Tor  das  „Achteck“, ­
  den  Leipziger  Platz;  vor  dem  Brandenburger ­
  Tor  das  „Viereck“,  den  Pariser
Platz;  alle  drei  haben  ihre  regelmäßige
Grundform  im  französischen  Geschmack
bis  heute  bewahrt.  An  der  schnurgeraden
Wilhelmstraße,  die  der  König  zur  Verbindung ­
  dieser  Plätze  anlegen  läßt,  ersteht
noch  während  seiner  Regierung  eine  Reihe
schmucker  Paläste,  deren  Hintergärten  sich
bis  zur  neuen  Mauer  erstrecken;  ihr  prachtvoller ­
  Baumstand  erklärt  sich  daraus,  daß
sie  Stücke  des  Tiergartens  sind;  wie  die
Gebäude  mit  ihren  Mittelbauten  und  zwei
vorspringenden  Seitenflügeln  sich  an  französische ­
  Adelspaläste  anlehnen,  so  waren
auch  die  Gärten  ehemals  in  französischem
Stil  gehalten;  heute  sind  es  nur  noch  die
Vorgärten  nach  der  Straße  zu,  während
die  Hintergärten  unter  Beibehaltung  der
symmetrischen  Grundanlage  einen  stark
ausgeprägten  englichen  Charakter  mit  dichten ­
  Buschgruppen  und  aufgeschütteten  Hügeln ­
  angenommen  haben  (Palais  des  Prinzen
Albrecht,  1737  nach  französischen  Plänen,
die  Säulenhalle  vorn  von  Schinkel;  Palais
der  Prinzen  Alexander  und  Georg  1735,
umgebaut  1852;  Hausministerium  1734,  vorn
das  Gitter  mit  den  Sandsteinpfeilern,  darauf
Schlangenvasen,  bemerkenswert;  einige
Ziervasen  noch  im  Garten;  Reichskanzlerpalais).

Friedrichs  des  Großen  Tätigkeit,  soweit
sie  sich  auf  Potsdam  und  Sanssouci  wirft,
kann  hier  nur  im  Vorübergehen  gestreift
werden.  In  den  früheren  Jahren  seiner
Regierung  entstehen  die  französisch  komponierten ­
  Partien:  die  Terrasse,  oben  Schloß
Sanssouci,  zu  ihren  Füßen  der  runde,  von
Marmorbänken  und  Statuen  umsäumte
Bassinplatz  mit  der  Fontäne,  auslaufend
von  diesem  die  schnurgerade  Allee  zum
neuen  Palais,  mehrmals  unterbrochen  durch
kreisrunde  Plätze,  die  von  Hecken  umsäumt, ­
  in  den  Ecken  mit  Marmorstatuen
antiker  Götter  besetzt  sind.  Endlich  der
große  Platz  vor  dem  neuen  Palais,  ein  riesiger ­
  Halbkreis,  dessen  Grundlinie  die  lange
Prunkterrasse  vor  dem  Schloß  bildet;  eingefaßt ­
  von  hohen  glattgehaltenen  Baumwänden ­
  und  regelrecht  geschnittenen  Buchenhecken, ­

  aus  denen  Reihen  weißer  Statuen
leuchten.  Dies  ist,  offen  gesagt,  die  einzige
Anlage,  die  von  der  herrischen  Größe  des
französischen  Stils  einen  allerdings  noch
immer  blassen  Begriff  gibt.  Die  Anlagen
Friedrichs  —  besonders  Sanssouci  —  wirken ­
  im  Vergleich  mit  Versailles  nur  zierlich ­
  und  niedlich;  freilich,  der  große  Stil
Ludwigs  XIV.  ist  damals,  um  1750,  auch
in  Frankreich  schon  länger  als  ein  halbes
Jahrhundert  vorüber.  Die  bedeutendste
Schöpfung  Friedrichs  in  Berlin  ist  das
Forum  Friderici,  die  Platzanlage  am  Eingang ­
  zu  den  Linden,  eingeschlossen  vom
Opernhaus,  der  Hedwigskirche,  der  Bibliothek ­
  und  der  Universität.  Den  Tiergarten
läßt  der  König  durch  v.  Knobelsdorf  noch
parkmäßiger  gestalten,  den  Zaun  darum
abbrechen.  Neue  Anlagen  in  französischem
Stil  werden  gegründet,  so  der  Goldfischteich,
schmalrechteckig,  von  Baumreihen  und
Hecken  eingefaßt,  der  Floraplatz,  kreisrund,
regelmäßig  gezogener  Buchs  geometrisch
auf  dem  Rasen  verteilt,  strahlenförmig  hinführende ­
  baumbepflanzte  Alleen;  der  große
Stern  wird  mitHainbuchenhecken  umrandet
und  mit  Statuen  verziert;  jetzt  ist  dieser
vorzüglichste  Platz  durch  große  Bronzegruppen ­
  und  Gesträüchpllanzungen  ganz
zerstückt,  um  alle  Wirkung  gebracht.
Im  letzten  Abschnitt  der  Regierung  Friedrichs ­
  vollzieht  die  Berliner  Architektur  den
Übergang  zum  Klassizismus.  Gleichzeitig
wendet  sich  der  König  dem  englischen
Gartenstil  zu.  Das  wichtigste  Zeugnis  geben
die  Anlagen  hinter  Schloß  Sanssouci  auf
dem  Ruinenberg,  der  englische  Garten.
Wald  und  Wiesen  ziehen  die  Höbe  hinan,
Zickzackwege  winden  sich  aufwärts,  auf
der  Spitze  des  Berges  erscheinen  die  traurigen ­
  Ruinen  eines  griechischen  Tempels;
fernere  Zeugnisse  sind  die  „neuen  Anlagen“
am  neuen  Palais,  der  chinesische  Turm  auf
der  Höhe,  das  chinesische  Haus  und  der
Freundschaftstempel  im  Garten  von  Sanssouci. ­
  Im  Tiergarten  fängt  man  an,  die
südlichen  Partien  in  englischer  Art  umzubauen; ­
  die  Rousseauinsel  wird  geschaffen.
Solche  Partien  sind  auf  den  Bildern  Chodowieckis
  (wie  auf  der  Jahrhundertausstellung) ­
  abgebildet;  hier  sieht  man  die  Berliner ­
  sich  ergehen;  die  Alten  im  Schatten
hoher  Bäume  lustwandeln  oder  am  Wasser
hinsitzen,  die  Jungen  auf  dem  Wiesenplan
am  Waldesrand  spielen  und  tanzen.
Unter  der  Regierung  Friedrich  Wilhelms ­
  II.,  seit  1786,  wird  die  Reaktion  gegen
den  französischen  Stil  aufs  höchste  getrieben, ­
  Zugleich  tritt  in  der  Architektur
der  klassische  Geschmack  bewußt  und
entschieden  auf.  Einfachheit  und  Strenge
der  Alten  sollen  im  Bauwerk,  Vernunft,
Freiheit  und  Natürlichkeit  im  Garten
herrschen.  Das  Brandenburger  Tor  entsteht. ­
  Der  Garten  des  Schlosses  Bellevue,
das  1785  für  Ferdinand,  König  Friedrichs
Bruder,  gebaut  wird,  wird  in  den  90er
            
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