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jetzt Kurfürstenplatz, mit seinen sieben radienförmig
ausgehenden Baumalleen; auch
die große Querallee wird durch den Garten
gelegt.
Unterdes war die Stadt durch die zunehmende
Ausdehnung von Friedrichs- und
Dorotheenstadt gegen den Rand des Tiergartens
im Vorrücken begriffen. Friedrich
Wilhelm L, seit 1713, ließ in kluger Voraussicht
die Mauer um eine weite Strecke
herausschieben, südwärts bis zum Landwehrkanal,
westwärts bis zur Königgrätzerstraße;
vor den drei neuentstandenen
Toren legt er innerhalb der Stadt große
Plätze an: vor dem Halleschen Tor das
„Rondeei“, den rundovalen Belleallianceplatz;
vor dem Leipziger Tor das „Achteck“,
den Leipziger Platz; vor dem Brandenburger
Tor das „Viereck“, den Pariser
Platz; alle drei haben ihre regelmäßige
Grundform im französischen Geschmack
bis heute bewahrt. An der schnurgeraden
Wilhelmstraße, die der König zur Verbindung
dieser Plätze anlegen läßt, ersteht
noch während seiner Regierung eine Reihe
schmucker Paläste, deren Hintergärten sich
bis zur neuen Mauer erstrecken; ihr prachtvoller
Baumstand erklärt sich daraus, daß
sie Stücke des Tiergartens sind; wie die
Gebäude mit ihren Mittelbauten und zwei
vorspringenden Seitenflügeln sich an französische
Adelspaläste anlehnen, so waren
auch die Gärten ehemals in französischem
Stil gehalten; heute sind es nur noch die
Vorgärten nach der Straße zu, während
die Hintergärten unter Beibehaltung der
symmetrischen Grundanlage einen stark
ausgeprägten englichen Charakter mit dichten
Buschgruppen und aufgeschütteten Hügeln
angenommen haben (Palais des Prinzen
Albrecht, 1737 nach französischen Plänen,
die Säulenhalle vorn von Schinkel; Palais
der Prinzen Alexander und Georg 1735,
umgebaut 1852; Hausministerium 1734, vorn
das Gitter mit den Sandsteinpfeilern, darauf
Schlangenvasen, bemerkenswert; einige
Ziervasen noch im Garten; Reichskanzlerpalais).
Friedrichs des Großen Tätigkeit, soweit
sie sich auf Potsdam und Sanssouci wirft,
kann hier nur im Vorübergehen gestreift
werden. In den früheren Jahren seiner
Regierung entstehen die französisch komponierten
Partien: die Terrasse, oben Schloß
Sanssouci, zu ihren Füßen der runde, von
Marmorbänken und Statuen umsäumte
Bassinplatz mit der Fontäne, auslaufend
von diesem die schnurgerade Allee zum
neuen Palais, mehrmals unterbrochen durch
kreisrunde Plätze, die von Hecken umsäumt,
in den Ecken mit Marmorstatuen
antiker Götter besetzt sind. Endlich der
große Platz vor dem neuen Palais, ein riesiger
Halbkreis, dessen Grundlinie die lange
Prunkterrasse vor dem Schloß bildet; eingefaßt
von hohen glattgehaltenen Baumwänden
und regelrecht geschnittenen Buchenhecken,
aus denen Reihen weißer Statuen
leuchten. Dies ist, offen gesagt, die einzige
Anlage, die von der herrischen Größe des
französischen Stils einen allerdings noch
immer blassen Begriff gibt. Die Anlagen
Friedrichs — besonders Sanssouci — wirken
im Vergleich mit Versailles nur zierlich
und niedlich; freilich, der große Stil
Ludwigs XIV. ist damals, um 1750, auch
in Frankreich schon länger als ein halbes
Jahrhundert vorüber. Die bedeutendste
Schöpfung Friedrichs in Berlin ist das
Forum Friderici, die Platzanlage am Eingang
zu den Linden, eingeschlossen vom
Opernhaus, der Hedwigskirche, der Bibliothek
und der Universität. Den Tiergarten
läßt der König durch v. Knobelsdorf noch
parkmäßiger gestalten, den Zaun darum
abbrechen. Neue Anlagen in französischem
Stil werden gegründet, so der Goldfischteich,
schmalrechteckig, von Baumreihen und
Hecken eingefaßt, der Floraplatz, kreisrund,
regelmäßig gezogener Buchs geometrisch
auf dem Rasen verteilt, strahlenförmig hinführende
baumbepflanzte Alleen; der große
Stern wird mitHainbuchenhecken umrandet
und mit Statuen verziert; jetzt ist dieser
vorzüglichste Platz durch große Bronzegruppen
und Gesträüchpllanzungen ganz
zerstückt, um alle Wirkung gebracht.
Im letzten Abschnitt der Regierung Friedrichs
vollzieht die Berliner Architektur den
Übergang zum Klassizismus. Gleichzeitig
wendet sich der König dem englischen
Gartenstil zu. Das wichtigste Zeugnis geben
die Anlagen hinter Schloß Sanssouci auf
dem Ruinenberg, der englische Garten.
Wald und Wiesen ziehen die Höbe hinan,
Zickzackwege winden sich aufwärts, auf
der Spitze des Berges erscheinen die traurigen
Ruinen eines griechischen Tempels;
fernere Zeugnisse sind die „neuen Anlagen“
am neuen Palais, der chinesische Turm auf
der Höhe, das chinesische Haus und der
Freundschaftstempel im Garten von Sanssouci.
Im Tiergarten fängt man an, die
südlichen Partien in englischer Art umzubauen;
die Rousseauinsel wird geschaffen.
Solche Partien sind auf den Bildern Chodowieckis
(wie auf der Jahrhundertausstellung)
abgebildet; hier sieht man die Berliner
sich ergehen; die Alten im Schatten
hoher Bäume lustwandeln oder am Wasser
hinsitzen, die Jungen auf dem Wiesenplan
am Waldesrand spielen und tanzen.
Unter der Regierung Friedrich Wilhelms
II., seit 1786, wird die Reaktion gegen
den französischen Stil aufs höchste getrieben,
Zugleich tritt in der Architektur
der klassische Geschmack bewußt und
entschieden auf. Einfachheit und Strenge
der Alten sollen im Bauwerk, Vernunft,
Freiheit und Natürlichkeit im Garten
herrschen. Das Brandenburger Tor entsteht.
Der Garten des Schlosses Bellevue,
das 1785 für Ferdinand, König Friedrichs
Bruder, gebaut wird, wird in den 90er