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"Baldowert"

Full text: Berliner Gauner / Klaußmann, Anton Oskar (Public Domain)

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„Ja, die Wand da drüben!“ 
„Do Laben Sie es wohl auch in dem benachbarten 
Zimmen mer recht kalt, besonders bei Nacht?“ 
wvo!“ entgegnete lachend die Nichte, „da— 
gegen wissen wir uns schon zu schützen, die Türe 
bleibt geschlossen, nicht nur am Tage, sondern in 
der Nacht erst recht, ich bin auch ein bißchen graulich 
und würde gar nicht bei offener Tür schlafen!“ — — 
Der „Sonntagsreiter“ war ein ehemaliger Bild⸗ 
hauerlehrling, welcher einst seinen Meister bestohlen, 
auf die Bahn des Verbrechers geraten und schließlich 
gewöhnlicher Bodendieb geworden war. Wertvoll 
war indes auch für andre Verbrecher seine Ver— 
schlagenheit und deshalb votte ihn der „Burggraf“ 
zum Baldowern bestimmt, Schräg gegenüber von 
dem Hause, in dem das Pfandleihgeschäft sich be— 
fand, lag eine Destillation mit ihrer primitiven 
Einrichtung und den üblichen wenig einladenden 
Gästen. Hier verkehrte tagelang ein brotloser Arbeiter, 
der fieberkrank war und beständig in der Nähe des 
Ofens saß. Teils aus Miteid trils aus Geschäfts- 
rücksichten, weil er ja dec; merhin etwas verzehrte, 
duldete der Inhaber der Deillation den Dauergast, 
der sich nie mit andren Outen in Gespräche einließ 
und ganz apathisch vor 6 hin oder zum Fenster 
hinausstierte. Dieser ) Vann war aber niemand 
anders, als der „Soru“Mrriter“, der von hier 
aus die Leute, die in dem Hause wohnten und 
verkehrten, ihre Zeiteinteilung und Lebensgewohn— 
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