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Die Wissenschaft der Zukunft. Ein dunkler Punkt im hellen Berlin

Full text: Berliner Gauner / Klaußmann, Anton Oskar (Public Domain)

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große Anzahl von Ahstufungen, ein Proletariat und 
eine Aristokratie. Es gibt „Kartenschlägerinnen“, 
welche im Umherziehen ihr Gewerbe betreiben und 
für schnöde 25 Pfennig die Zukunft enthüllen, und 
vornehme Damen, welche in elegant und phantastisch 
ausgeschmückten Räumen ihre Klientinnen empfangen 
und glänzendes Gold für ihre Orakelsprüche fordern. 
Die billigsten dieser Wahrsagerinnen verbergen 
ihr Gewerbe unter einem Handel mit Band, Zwirn 
und Nähmaterial und suchen die Hintertreppen der 
Häuser auf, um den Beherrscherinnen des Küchen— 
rayons interessante Aufschlüsse über die Zukunft 
zu geben. „Guste“ oder „Rieke“ sind natürlich 
sehr neugierig, aus sicherer Ouelle zu erfahren, ob 
ihr uniformierter Amoroso auch die Versprechungen 
halten wird, die er so oft mit den fürchterlichsten 
Eidschwüren bekräftigt, Versprechungen von ewiger 
Liebe und Treue und der rühmenswerten Absicht, nach 
vollendeter Militärdienstzeit den Engel der privaten 
Verpflegung als Gen heimführen zu wollen. 
Wenn nun die „Kartenschlägerin“ es versteht, den 
Küchenfeen möglichst freudige Zukunftsbilder zu 
entwerfen, so kommt es der Beglückten auch nicht 
darauf an, der Seherin fünfzig Pfennig für das 
genossene Vergnügen zu zahlen. 
Nun ist ja die „weise Frau“ allerdings in der 
Lage, aus dem mehr oder minder reichen Borne 
ihrer Phantasie die Versprechungen für die Zukunft, 
die sie ja nicht realisieren braucht, zu schöpfen,
	        
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