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In der Leichenkammer

Full text: Berliner Gauner / Klaußmann, Anton Oskar (Public Domain)

nach der großen Stadt! dort muß sie ihr Glück 
finden, sie will und kann ja arbeiten, und dort be— 
darf man der jugendlichen Kräfte für Lehrerinnen, 
Bonnen, Stützen der Hausfrau oder sei es selbst 
nur als Gehilfin in einem Laden. 
Sie wußte es ja nicht, daß es in der großen 
Stadt Hunderte solch armer Geschöpfe gibt, wie sie 
selbst eins ist, die gleich ihr vergeblich nach Unter— 
kommen und Arbeit ringen! Alle ihre Schritte sind 
vergeblich gewesen, ihre Mittel sind erschöpft, sie 
kennt keinen Menschen, an den sie sich um Hilfe 
wenden könnte, selbst um in das alte traurige Ver⸗ 
hältnis zurückzukehren, fehlen ihr die Mittel. Wohin 
sie auch blickt, es gibt keine Hilfe! Die Frau, welche 
ihr gegen billiges Entgelt Privatlogis gewährt hat, 
betrachtet sie bereits mit mißtrauischen Augen, weil 
sie die letzten Mietsraten nicht mehr zahlen konnte. 
Das arme, verschüchterte, von der ganzen Misere 
des Lebens zu Boden gedrückte Mädchen hat eine 
dunkle Ahnung davon, daß sie durch ihre Mittel— 
losigkeit als Betrügerin dem Gericht und der Schande 
verfallen sei. 
Es gibt keinc 2.tung mehr als den Tod, da 
drüben in dem 5 glitzernden Flusse. — — 
Sie steht c malen Treppe, die in die 
Kaimauer cintesey. ist und deren steinerne 
Stufen herabführen vis zum Wasserspiegel. Zögernd 
schreitet ihr Fuß die Stufen hinab. Von der Brücke 
herüber leuchten noch einmal die Lichter, wie Glocken—
	        
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