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Die Einbrecherpraxis

Full text: Berliner Gauner / Klaußmann, Anton Oskar (Public Domain)

„Bahnherr“ führt und dem unbedingter Gehorsam 
während des Einbruches zu leisten ist. 
Die Wahl fällt auf den „würdigsten“, d. h. auf 
den geschicktesten und bewährtesten Verbrecher. Er 
bestimmt, auf welche Weise der Einbruch selbst zu 
geschehen hat, d. h. ob durch die Tür, das Fenster 
oder die Mauer. Er stellt auch die Wachen aus, 
die „Schmieresteher“, und er endlich hat die Ver⸗ 
pflichtung, als erster in das gewaltsam geöffnete 
Gebäude oder Zimmer zu treten. Er bekommt auch 
für gewöhnlich einen doppelten Anteil an der Beute, 
deren Teilung er überwacht. Gewöhnlich pflegt er 
aber seine Genossen zu betrügen, indem er einzelnes 
von den gestohlenen Geldern oder Wertsachen bei 
— gibt. 
Der „Bahnherr“ reicht nämlich den draußen 
wartenden Einbrechern die Sachen, die er drinnen 
aufgefunden hat, heraus. Hierbei werden, ins⸗ 
besondere wenn es sich um das Bestehlen von Läden 
oder Warenlager handelt, ganz unglaubliche Quanti— 
täten von Schnittwaren oder andern Vorräten kunst⸗ 
voll in die mitgebrachten Säcke gepackt, jedoch in 
jeden nicht mehr, als ein Mann zur Not tragen 
kann. Nach solchen Diebstählen kann natürlich die 
Teilung der Beute (,Chelucke“) erst stattfinden, 
nachdem die gestahlenen Sachen bei einem Hehler 
(„Schärfenspieler U jundelt sind. Bei Einbrüchen 
in Juwelen- und Goldwarenläden sehen die Diebe 
mehr auf Gold als auf Brillanten, da letztere
	        
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