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"Pennbrüder"

Full text: Berliner Gauner / Klaußmann, Anton Oskar (Public Domain)

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Angenehmes. Die Bestraften erhalten für die Straf— 
zeit nicht nur einen warmen Aufenthaltsort, sondern 
nachts auch ein Bett und den Tag über für ihre 
Verhältnisse vortreffliches, warmes Essen, alles Ge— 
nüsse, an die sie während der „Freiheit“ gar nicht 
denken können. Diejenigen allerdings, denen über— 
weisung an die Landespolizeibehörde bevorsteht, be— 
finden sich in einigermaßen gedrückter Stimmung, 
indes sie werden ebenso aufgeheitert wie diejenigen, 
welche wütender Hunger plagt. Die Inhaftierten 
treten nämlich erst in die Gefängnisverpflegung, 
nachdem sie vom Polizeirichter abgeurteilt sind, und 
so kann denn mancher wegen scines knurrenden 
Magens gar micht die cit crwarten, bis er die 
Strafe „aufgeswumtit' bekomna“ Am schlimmsten 
dran sind die Pennbrüder, welche am Sonnabend 
abend aufgegriffen werden. Da dieselben erst am 
Montag früh dem Polizeirichter vorgeführt werden 
und erst am Montag mittag die erste reglement— 
mäßige Nahrung erhalten, haben dieselben eine 
keineswegs angenehme Hungerkur durchzumachen, 
wenn sie nicht ein paar Pfennige bei sich führen, 
für welche sie sich durch den Wärter Brot kaufen 
lassen können. 
Von dem Galgenhumor dieser Leute, die in der 
Tat stark an die Zyniker des Altertums erinnern 
und leider unter sich viele philosophisch gebildete, 
verkommene Individuen zählen, zeugen auch die 
Wände des Raumes, in dem wir uns augenblicklich
	        
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