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Jung Spartakus

Full text: Erlebnisse aus einem Vierteljahrhundert im Untersuchungsgefängnis von Berlin / Diestel, Ernst (Public Domain)

nicht lange haften; er scheitert an der Lernbegierde und Werde— 
lust frischer Jugend. Bei Erwachsenen dagegen bin ich manch— 
mal wahrem Fanatismus begegnet, der womöglich den 
Märtyrertod für ihre kommunistischen Ideale herbeizwingen 
möchte. Schon hat die Legende über Liebknechts Tod ihre 
Schleier gewoben. „Anser hochheiliger Liebknecht“ soll mit 
den Worten gestorben sein: „Ich sterbe gern, wenn mein Tod 
dem Kommunismus etwas nützt.“ Jugendliche, die als 
Plünderer kurze Zeit bei uns waren, werden von ihren Vätern 
triumphierend abgeholt: „Nun hast du auch schon für die 
Partei gelitten.“ 
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Großindustrielle im Gefaͤngnis. 
Aus ganz anderer Menschengegend kamen die Herren 
Großindustriellen, die durch eine frevelhafte Ver— 
dächtigung plötzlich mir zugeführt wurden. Bei ihnen war 
allerdings von Kommunismus nichts zu spüren. Auch den 
großmächtigen Herrn X. hatte ich einige Tage die Ehre, unter 
meinen Pflegebefohlenen zu sehen. Er hatte eine große Angst, 
daß seine Untergebenen in seiner gezwungenen Abwesenheit 
Unfug treiben könnten und bat mich, an seine Beamtenstube 
zu schreiben, daß weder seinen Beamten noch seinen Arbeitern 
während seiner Verhaftung Gehalts- und Lohnerhöhung zu— 
gebilligt werden könne. Um ihn zu beruhigen, tat ich ihm den 
Gefallen, und ich möchte wohl wissen, welchen Eindruck diese 
Kabinettsorder im pastoralen Gewande am Rhein gemacht hat, 
und ob sie noch aufbewahrt wird. Ich möchte vorschlagen, sie 
unter Glas und Rahmen an die Wand zu hängen. Die Halt— 
losigkeit ihrer Verdächtigung stellte sich bald heraus, und die 
Herren fuhren im Extrazug schleunigst wieder an ihre Ge— 
schäftsstellen. 
Der königliche Prinz. 
Wieder ein ganz anderer Menschenschlag war jener 
königliche Prinz, der geraume Zeit sich in unserer 
Obhut befand. Auch eine „Errungenschaft“ der Revolution;
	        
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