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Die Kommunisten

Full text: Erlebnisse aus einem Vierteljahrhundert im Untersuchungsgefängnis von Berlin / Diestel, Ernst (Public Domain)

ehe — „bis der Tod Euch einst scheiden wird“ — ist ja nicht 
denkbar ohne Einzeleigentum. Hat nun das eheliche Leben 
Folgen, kommt die Schwangere in die Gebäranstalt, wo sie für 
nichts zu sorgen hat. Was treibt inzwischen der ebenfalls 
sorglose Mann draußen? Entsteht nicht die Gesahr, daß er 
unbesorgt weiter zeugt? Zwischen ehelichen und unehelichen 
Schwangeren wird natürlich kein Unterschied gemacht. Und 
wenn die junge Mutter herauskommt — ihr Säugling bleibt 
ja im Säuglingsheim — entsteht nicht die Gefahr, daß sie sorg⸗ 
los mit einem anderen verkehrt, daß sie — zur Dirne wird? 
Zustände, die sonst in gebildeten Völkern die Ausnahme 
bildeten, können im kommunistischen Staat die Regel werden. 
Seit Jahrtausenden ist die untrennbare Einehe und ihre Sorge 
für die Kinder die Grundlage der Blüte der Völker; denn 
Mutterliebe und Vatersorge galt bisher für unersetzlich. Jetzt 
„besorgt“ das der kommunistische Staat in seinen Anstalten. 
Eigentum bindet an die Scholle; den Nordbewohner an 
sein unwirtliches Ufer, den märkischen Bauern an seinen un— 
fruchtbaren Sandboden wie die Ansiedler am Vulkan an ihren 
gefährlichen feuerspeienden Nachbarn. Hört das Einzeleigen⸗ 
tum auf, was hindert die Bewohner ungünstiger Gegenden 
dahin zu ziehen, wo es fruchtbarer ist, wo es leichter und ge— 
sunder ist zu leben? Aber diese besseren Gegenden pflegen 
schon bevölkert zu sein, also wird es Kampf geben: „Her mit 
Curem Land, wir wollen auch leben!“ Angefähr wie die 
Germanen der Völkerwanderung aus unwirtlichen Gegenden 
in sonnigere Länder zogen und die Arbewohner vertrieben. 
Verbietet aber der kommunistische Staat solche Abwanderung, 
ist das Gefängnis vollends fertig; sorgloses Leben mit vor— 
geschriebener Arbeit und gehemmter Bewegungsfreiheit! An 
der Ungleichheit des Klimas auf der Erde scheitert die Gleich— 
macherei des Kommunismus. Der Kommunist X. war ehr— 
lich genug, hier zu bekennen: „Ja, daran habe ich noch 
nicht gedacht!“ 
Und nun gar die Landleute! Eigentum bindet an die 
Scholle, und wer das Land bearbeitet, fühlt sich als des Landes 
Eigner! Kein Landwirt wird sein Land für die hungernden 
Städter bearbeiten, wenn er nichts dabei verdienen solll Dann
	        
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