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III. Des Königs literarische Agenten und Korrespondenten in Paris

Full text: Friedrich der Grosse und seine Bücher / Krieger, Bogdan (Public Domain)

hm nicht Meinungen aus, sondern behandelte ihn nur als beauftragten Agenten, den er belobte und beloben ließ, 
wenn er seine Pflicht tat und den Wünschen seines Auftraggebers schnell und prompt nachkam, und den er tadelte, wenn 
er saumselig erschien und ihn mißverstand. Eigenhändig schrieb er unter den Brief an Thieriot vom 26. Februar 1738: 
Mes livres sont arrivés, j'en suis très content par rapport aux éditions que de la manière dont ils sont condi—- 
tionnés“ und wenige Wochen darauf: „Je suis fort content de votre dernier envoi des livres.“ Auch der Marquise 
du Chatelet gegenüber erkannte Friedrich trotz seines mißfälligen Urteils über Thieriots Charakter seine Sorgsamkeit und 
seine gute Absicht, nützlich zu sein, willig an (25. Januar 1739). Gleiches Cob zollte ihm Jordan für eine Büchersendung 
an den KRönig (22. Juli 1758): „J'ai eu raison de louer le choix que vous avez sait des livres destinés à la biblio— 
hèque de Rheinsberg; cette collection est parfaitement belle, soit pour les éditions, soit pour les reliures.“ 
Jordan übermittelte ihm bisweilen die Aufträge des Uönigs und auch dessen Unzufriedenheit, wenn die Erledigung etwas 
lange auf sich warten ließ. So als es sich um die Besorgung einer den KUronprinzen besonders interessierenden Schrift 
von Jacques Vaucanson handelte: Mécanisme du flüteur automate avec la description d'un canard artificiel et aussi 
relle d'une autre figure jouant du tambourin et de la flute. Paris 1738. „J'ignore, Monsieur,“ schrieb Jordan 
noch, nachdem die Sendung bereits eingetroffen war, „les raisons qui vous ont pu engager à ne pas le saire.“ Das 
Werk hat sich in keiner der friderizianischen Bibliotheken erhalten. Als die vom Kronprinzen im Jahre 1759 bestellten 
Mercures de France nicht schnell genug eintrafen, machte er selbst Thieriot darauf aufmerksam, daß er diesen 
Auftrag schon vor langer Seit gegeben habe. (Brief vom 26. Dezember 1739.) Daß die Unzufriedenheit des Königs 
schließlich zu seiner Entlassung führte, werden wir später sehen. 
Die Auswahl der Bücher, die Thieriot besorgen mußte, kennzeichnet die bekannte literarische Geschmacks— 
richtung Friedrichs, die sich sehr früh bei ihm ausbildete und festsetzte. Was er haben will, sind gute und gut gebundene 
Ausgaben der klassischen Autoren. Ciceros Briefe (1757 und 1745), CLivius, Vergil, Tacitus, Persius und Diodor 
werden verlangt, diese alle in den Jahren 1757 und 1738. Von den französischen Meisterwerken Fontenelle (1737), 
Corneille (1738) und Voltaire, daneben von der leichteren französischen Dichtung Gresset und Grécourt. Aber auch 
historische Werke, wie Les quvres de P. Rapin qui contiennent les comparaisons des grands hommes de l'anti— 
quité qui ont le plus excellé dans les belles lettres. ICùII. Paris 16084, ein Werk, das der Kronprinz am 
20. Dezember 1738 bestellt, und zwar „une bonne édition et l'exemplaire proprement relié“, dann die Geschichte von 
Vyzanz in der Uebersetzung Cousins (1758), die Memoiren des Herzogs von Sully, des Ministers Heinrichs IV. (1745), 
und die des großen Condé (1745), von philosophischen Büchern Malebranches Recherche de la vérité (1759), von 
cheologischen die Ceichenpredigten Mascarons (17539). Ferner militärische, wie der Traité général des subsistances 
nilitaires qui comprend la fourniture du pain etc. von Dupré d'Aulnay (1744), Le parfait capitaine vom Duc de 
Rohan, eine Médicine militaire von Portius (1744) u. a., vor allem jedoch und immer wieder die Erzeugnisse der 
Muse Voltaires, sobald man ihrer in Abschriften oder im Druck habhaft werden könne. Besonders kommt es dem 
Usnig auf solche Ausgaben Voltaires an, die Varianten enthalten, aber auch sonst will er alles haben, was von ihm 
in Paris, Condon, in Holland und Genf erschienen ist. Für diese letzte Besorgung erbittet er sich auch Maupertuis' 
Hermittelung, der sich von Thieriot dabei helfen lassen soll?. Aber mit den Ausgaben von Voltaire war es schlecht 
bestellt. Noch am 22. September 1746 schreibt Voltaire selbst an den König: „Je sais que V. M. a ordonné au 
zieur Thieriot de lui envoyer toutes les éditions qu'il aura pu recouvrer, mais elles sont toutes si informes et 
si fautives qu'il n'y en aà aucune que je puisse adopter. Celle de Ledet est une des plus mauvaises.“ Die 
meisten von Friedrich in Auftrag gegebenen Bücher befinden sich noch in seinen Bibliotheken, der größte Teil in Sans— 
souci. Mehrere aber, die er, wie aus seinen Empfangsbestätigungen und aus den Rechnungen Chieriots hervorgeht, 
hestimmt erhalten hat, vermissen wir unter seinen Büchern, so das schon genannte musikalisch-technische Buch von 
Scheinbar eine französische Uebersetzung des Buches De militis in castris sanitate tuenda. haag 1739. — ? Briefwechsel 
Friedrichs des Großen mit Grumbkow und Maupertnis, hrsg. von R. Koser. Publ. a. d. Ugl. Preuß. Staatsarchiven, 72. Bd., S. 193, 
BZrief des Könias an Mauvertuis vom 13. Oktober 1745
	        
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