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I. Der König als Leser und Bücherfreund

Full text: Friedrich der Grosse und seine Bücher / Krieger, Bogdan (Public Domain)

apaiser l'inquictude de mon ésprit; la crise, dans laquelle je me trouve, dure trop longtemps.“ (An d'Argens, 
15. Mai 1761.) 
Es ist ganz natürlich, daß Friedrich bei der großen Bedeutung, die die Lektüre für ihn hatte, ihr sein ganzes Leben 
hindurch viel Heit gewidniet hat. Das fängt in Ruppin an, wenn auch das Erxerzieren und inmier wieder Exerzieren 
damals im Vordergrunde stehen muß, damit er vor den gestrengen Augen des Vaters bestehen kann. „Ich lese seit 
25 Jahren,“ sagte er 1759 zu de Catt. In der Tat gehörte von jenen Ruppiner Tagen an die Zeit, die nicht dem 
Dienste gewidmet war, der Lektüre und der Musik. Denn die Geselligkeit und der Verkehr mit den Offizieren bot 
venig oder gar keine Anregung. Ganz anders gestaltet sich die Zeiteinteilung in Rheinsberg, das Friderico tranquilli- 
atem colenti erbaut war. Aus den Briefen an die Freunde, an Suhm, Camas, Manteuffel, Duhan, und aus 
den Schilderungen, die der König später de Catt gab, hören wir es immer wieder, mit welcher Ausnutzung der Zeit 
Friedrich in diesen letzten vier Jahren vor seiner Thronbesteigung gelesen und damit gearbeitet hat. „Sie können 
sich von meinen Beschäftigungen in Rheinsberg keine Vorstellung machen,“ sagte er zu de Cattt, „Tage und Nächte 
verbrachte ich beim Studieren.“ Morgens um 4 Uhr stand er auf, arbeitete dann bis 10, machte bis 12 Uhr 
Auszüge aus dem Gelesenen, nahm um 5 Uhr diese Arbeit wieder auf und setzte sie bis zum Abendessen fort, um das Tage⸗ 
werk in den Nachtstunden von 12 bis 2 wieder mit Lektüre abzuschließen. Den Versuch, des Schlafes sich ganz zu 
entwöhnen, mußte er nach vier Tagen wieder aufgeben. Er las bei gutem und bei schlechtem Wetter und empfand es 
als einen besonderen Vorzug dieser Beschäftigung, daß sie in ihrer Annehmlichkeit von der Witterung unabhängig ist. 
Sein Aktionsradius, um ein modernes Wort zu gebrauchen — „la sphère de mon activité“, sagt Friedrich — „erstreckt 
sich von seinem Schreibzimmer bis zur Bibliothek; die Reise ist nicht groß genug, um die Unbilden des Wetters zu 
verspüren.“ Seine Freunde allerdings seien ihnen ausgesetzt; denn sie gingen auf Jagd, während er für sie studiere. 
Niemand sei in seinen Neigungen behindert. Man politisiere wenig, spreche noch weniger und denke viel. Er sei 
in seine Bücher vergraben, schreibt er an Duhan, studiere seit vier Monaten unaufhörlich, an Suhm. Von dieser 
selben Feit spricht er in einem Briefe an Camas vom 12. Dezember 1737 und meint, der Bericht, den er ihm über 
die Ereignisse der letzten vier Nonate geben könne, würde nicht sehr abwechslungsreich sein. Er würde auf jeder Seite 
einen Menschen finden mit der Nase über dem Buch, das er nur verlasse, um die Feder zu ergreifen. Feitweilig liest der 
Orinz von morgens bis abends (an Suhm, 27. September 1738), so daß er mehr zusammengelesen zu haben glaubt als 
alle Benediktinermönche zusammen. Man lebe in der Tat in dieser lieben Einsankeit mehr in einem Kloster als in der 
Welt; wenige Fremde ließen sich sehen, ein kleiner, wohlausgewählter Kreis von geistesverwandten Freunden sei um ihn. 
Denn ein Mensch, der die Wissenschaften pflegt und ohne Freunde lebt, sei ein gelehrter Werwolf. Sehr unangenehm 
empfindet er die Unterbrechung dieser Tätigkeit durch die Reisen nach Potsdam, nach Cleve, nach Ostpreußen. Als er 
dort vom Vater das Trakehner Gestüt erhält, weiß er auch diese sehr willkommene und beträchtliche Erhöhung seiner 
Einnahnien mit den geliebten Büchern in Verbindung zu bringen und verspricht dem ihn geistig am stärksten 
beeinflussenden Freunde Jordan, ihm Bücher von seinen neuen Einkünften zu schenken. „Je verrai mes bons chevaux 
bprussiens metamorphosés en livres dans votre bibliothèque.“ (25. Juli 1759.) Denn hier handelt es sich wirklich 
um Bücher und nicht, wie im Jahre 1737 im Briefwechsel mit Suhm, der damals sächsischer Gesandter in 
Petersburg war, um Geldsendungen. Zwei Büchertitel spielen in diesen Briefen eine Rolle. Diese müssen bei 
der Susammenkunft des Prinzen mit Suhm in Lübben vor der Abreise des Freundes nach Rußland als 
Deckworte verabredet worden sein für Darlehen, die Suhm dem Kronprinzen durch Vermittlung des Hherzogs Biron 
von Lurland verschaffen sollte. Am 25. März 1757 schreibt ihm Friedrich: „Ich bin mit meiner Lektüre zu Ende 
und erwarte mit großer Ungeduld die Lebensbeschreibung des Prinzen Eugen.“ Es handelt sich um 12 Exemplare 
dieses Buches, d. h. um 12000 Taler. Der Kronprinz mahnt zur Eile und bittet Suhm dringend, nuit dem Buch⸗ 
»ändler abzuschließen. Im Mai schickt ihm Suhm 3000 Taler unter dem Decktitel: „Mémoires de l'Académie 
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