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I. Der König als Leser und Bücherfreund

Full text: Friedrich der Grosse und seine Bücher / Krieger, Bogdan (Public Domain)

olches unter der Hand und unter ganz fremdem Namen geschehen, daß niemand erfähret, wo die Bücher herkonimen, 
und daß Ihr dabey interessieret seyd. Ich überlasse solches Eurer guten Vorsorge und Ueberlegung und müßt Ihr 
deshalb alle nötige precaution nehmen, nach denen Euch bekannten dortigen Umständen, der ich bin Friedrich Wilhelm.“ 
Die Bücher, 661, Hentner, gingen in 4 Kisten und 9 Fässern — die Art der Verpackung ist bezeichnend für ihre 
Bewertung — nach Hamburg ab. Dort wurde ein Katalog angefertigt und eine Abschrift davon nach Berlin gesandt. 
Sie ist identisch mit dem noch jetzt im Staatsarchiv vorhandenen Verzeichnis, das uns die Kenntnis der Büchersamm— 
lung vermittelt. Da in Hamburg ein dem UKönig zusagender Verkauf nicht zustande kam — ein Angebot von 
1100 Talern hielt er „für sehr unbillig vor so viel Bücher“ —, wurden sie weiter nach Amsterdam an den dortigen 
Residenten Warcin geschickt. Vorher aber soll Destinon, „was an irgend einem oder dem anderen Buch kennbar ist, 
abmachen lassen, damit niemand sehen kann, in wessen Händen dieselben gewesen sind“. Es handelte sich um die 
Entfernung von Besitzzeichen oder Einschriften von des Prinzen Hand. Welcher Preis schließlich für die Sammlung 
in Amsterdam erzielt wurde, geht aus den Akten nicht hervor. 
Während des Küstriner Aufenthalts wurde dem Prinzen zunächst jede Lektüre entzogen. Außer der Bibel, 
dem Gesangbuch und Arnds Wahrem Christentum durfte ihm nichts gegeben werden, „denn aus Büchern lernt man 
nichts, sondern die Pratique muß es machen, und ist eben das Lesen allerhand unnützer Bücher Schuld, daß der 
Kronprinz in verschiedene verderbliche und gefährliche Umstände geraten“. Das Arndsche Erbauungsbuch war übrigens 
auch schon in seiner früheren Bibliothek in einer französischen, in Amsterdam 17253 erschienenen Uebersetzung 
vorhanden. Die von dem Kronprinzen in Uüstrin benutzte Bibel (Straßburg 1630, Folio) befindet sich jetzt im 
Schloß Babelsberg. Sie war ebenso wie ein Psalmenbuch von Cobwasser, das der Prinz in seinem sechsten Lebensjahre 
von seinem Vater erhalten hatte, an den Gehein-⸗Aämmerer Eversmann gekommen, der von Friedrich Wilhelm J. 
dem Kronprinzen nach Rüstrin mitgegeben wurde. Beide Bücher kamen später wieder in königlichen Besitz. Couis 
Schneider hat die Bibel in den Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Potsdams! genau beschrieben und auch 
die mit Rötel angestrichenen Stellen des Alten und Neuen Testaments angegeben. Ob der Kronprinz sie selbst an— 
gestrichen hat, ist schwer zu sagen. Ein Zusammenhang ʒwischen diesen nicht immer besonders charakteristischen Bibelversen 
und der von Friedrich damals verfochtenen Prädestinationslehre läßt sich nicht nachweisen. Die Kupfer sollen von 
ihm ausgetuscht worden sein. Hatte er schon in frühester Jugend, vom Vater gezwungen, sich eingehend mit der 
Bibel, vornehmlich mit dem Neuen Testament beschäftigen müssen, so hat er durch diese Cektüre seine Bibelkenntnis 
in der Rüstriner Feit noch befestigen und vertiefen können. „Sie sehen, daß ich nieine Schriftstellen noch im 
Kopf habe,“ sagte er zu de Catt, als er wieder einmal ein Bibelwort zitiert?. Im Mai 1751 übersandte der König 
seinem Sohne verschiedene „geistliche Bücher“. Es ist wohl kaum anzunehmen, daß die kirchengeschichtlichen Werke 
von Bossuet und Basnage damit gemeint sind, obwohl der KUronprinz auch sie kaum ohne die Genehmigung des 
Vaters erhalten haben dürfte. Er bedankt sich am 1. Mai für die Bücher, „so Sie die Gnade gehabt mir zu schicken, 
und werde versuchen dero Intentions auch in diesem Stücke ein Genüge zu tun, indem ich mein größestes Plaisir 
daraus mache, wenn ich dero Willen nachleben kann“. Darauf antwortet der König (5. MNai 1731) wieder mit dem 
Hinweis auf die böse Wirkung, die die Lektüre weltlicher Bücher für den Kronprinzen gehabt habe. „Wollte Gott, 
Ihr hättet Meinem Väterlichen Rath und Willen von Jugend auf gefolget, so wäret Ihr nicht in solch Unglück ver— 
fallen, denn die verfluchten Ceute, die Euch inspiriret haben, durch die weltlichen Bücher klug und weise zu werden, 
haben Euch die Probe gemachet, daß alle Eure Klugheit und Weisheit ist zu nichts und zu Quark geworden.“ Es 
war, als habe sein Vater einen Theologen aus ihm machen wollen, äußerte er später zu de Catt. Noch am 12. Januar 
desselben Jahres hatte der Rönig den Antrag des Hofmarschalls von Wolden, dem Prinzen zur Belehrung in seinen 
dienstlichen Obliegenheiten wie zur Ausfüllung der Mußestunden einige das Finanz- und Polizeiwesen behandelnde 
Bücher geben zu dürfen, schroff abgewiesen und zurückgefragt, ob sie ihm nicht auch die Flöte und Baßgeige geben 
Drotokolle S. 25 ff. — 2 Unterhaltungen mit Friedrich dem Großen. Memoiren und Tagebücher von Beinrich de Catt. S. 17.
	        
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