Path:
IV. Des Königs Vorleser

Full text: Friedrich der Grosse und seine Bücher / Krieger, Bogdan (Public Domain)

Um die Wende des Jahres 1786 beabsichtigte de Catt über Carmers Justizreform zu schreiben!. Auch an eine 
Heröffentlichung seiner Rorrespondenz mit dem König hat de Catt gedacht. Denn auf einem bisher unveröffentlichten 
Entwurf seines Briefes an den Rönig vom 16. Juli 17622 steht am Schluß eine Notiz von seiner Hand: „Lettres 
imprimer à la suite du recueil de celles du Roi.“ Im Jahre 1770 erhielt er vom König ein Vikariat an der 
St. Paul- und Peterkirche in Halberstadt?, nachdem Friedrich schon während des Feldzuges gelegentlich mit ihm 
darüber gesprochen hatte, wie er ihn materiell sicherstellen würde!. Daß ihm auch eine Pfründe in Magdeburg zustand, 
ergibt ein Brief der Herzogin Charlotte von Braunschweig an de Catt, in dem sie schreibt, sie freue sich, ihn näher 
dei sich zu haben, wenn er erst in den Besitz seiner Präbende in Magdeburg gekommen wäre. 
Im Jahre 1775 scheint, wie ebenfalls aus den Briefen der Herzogin ersichtlich ist, de Catt daran gedacht zu 
zaben, seinen Abschied zu nehmen, weil er sich zurückgesetzt fühlte. Die um ihren Bruder Friedrich immer in herz— 
ichster Weise besorgte Schwester bittet ihn jedoch, diesen nicht zu verlassen. Auch die Fürsten hätten ihre Fehler, und es 
sei falsch, Gottheiten in ihnen zu sehen. Sie schreibt am 9. November 1775: „La plupart des hommes regardent les grand- 
zeigneurs comme des espèces de divinité qui doivent être sans faute. Voilà l'erreur. Ils soont hommes comme 
des autres et peuvent manquer. Mais cela n'est pas une raison pour les fronder, encore moins lorsqu'on les 
accueille de bonté. Cette ingratitude marque des mœurs dépravés; je les déteste. Cela soit dit entre nous, 
et j'éstime tous ceux qui pensent aussi honnéêtement que vous faites, et d'autant plus que vous éêtes attaché 
à ce frère que je chéris aussi tendrement. Je voudrais que j'aurai occasion de lui faire valoir vos sentiments 
at ce zèéle que vous avez pour sa personne pour que vous fussiez distingué entre d'autres qui vous oppriment. 
Mais chaque chose à son temps eéet vous avez l'avantage de servir un maitre éclairé et péenétrant. . .. Je 
vous demande votre cher et digne maitre ne l'abandonner pas; j'espère que vous triompherez par vos bons 
zentiments, et si je puis vous éêtre utile, jsen aurais charmée.“ Etwaige Mißhelligkeiten müssen damals wieder 
beigelegt worden sein. Erst im CLaufe des Jahres 1780 treten Verhältnisse ein, die die persönlichen Beziehungen des 
Königs und seines Vorlesers, ohne sofort zu einem Bruche zu führen, erkalten lassen. Die Gründe dafür lassen sich 
nicht ganz klar erkennen. 
De Catt hatte — das erzählt er selbst in einer unvollständigen Rechtfertigungsschrift, die sich in seinem Nachlaß 
efindet — im Jahre 1779 eine mit Brillanten besetzte Dose von der Königin-Witwe von Dänemark erhalten. Dieses 
kostbare Geschenk hatte zu Mißdeutungen und Verleumdungen Anlaß gegeben, so daß de Catt sich bemüßigt sah, 1780 
an die Herzogin von Braunschweig, andere Fürstlichkeiten und Freunde eine schriftliche Apologie zu schickens. Aber 
auch andere ihn herabsetzende Gerüchte waren in Umlauf gekonimen und hatten den König verstimmt, der, wie 
de la Veaux, der Freund de Catts, sagt, ihnen Gehör und Glauben geschenkt habe, weil der Angeschuldigte es unter— 
lassen hatte, darauf einzugehen und sich zu rechtfertigen. Im sechsten Bande seiner mehrfach herangezogenen Vie de 
rédéric le Grand e kommt de la Veaur, scheinbar von de Catt unterrichtet und beauftragt, auf diese Dinge zu sprechen. 
Er sieht in den Urhebern der Ausstreuungen zwei Leute aus der Umgebung des Königs, die er nicht nennt, von denen 
aber nach seiner Schilderung einer der Nachfolger de Catts, Duval-Peyrau, sein dürfte. De Catt wurde beschuldigt, 
einem Schweizer Grafen Massini zugesagt zu haben, ihm den Orden Pour le mérite zu verschaffen. Nicht dazu 
mstande, habe er ihm den weniger hohen Orden De la générosité besorgt, worüber der Empfänger sehr ungehalten 
zewesen sein soll. Diese Anschuldigung erklärt de la Veaux für eine Verleumdung; Massini habe voll Forn über die 
Herbreiter solcher Nachrichten an de Catt geschrieben und erklärt, er habe selbst den Rönig um den Orden De la 
zénérosité gebeten. In der bereits erwähnten, in der Form eines Briefes an einen nicht genannten Grafen gerichteten 
Rechtfertigungsschrift vom Jahre 17817 gibt er die Antwort Massinis: „Sa réponse fut celle qu'elle devait éêtre, 
remplie d'indignation de ce qu'on avait avancé pareilles calomnies: il voulait écrire au Roi. mais comme je 
Roser in der Einleitung zu den Memoiren und Tagebüchern de Catts, S. XVI, Anm. 2. —? Agl. Bausarchiv. — (Euvres XXIV, 
Ar. 20. — * Tagebücher, S. 454. — * Vgl. Einleitung Kosers zu den Memoiren und Tagebüchern de Catts, S. XN. Anm. 1. — 8 5. 390 ff. — 
Nal. KAal. Bausarchiv. Rep. XILVII. I.
	        
Top of page
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.