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IV. Des Königs Vorleser

Full text: Friedrich der Grosse und seine Bücher / Krieger, Bogdan (Public Domain)

Aus der ursprünglichen Niederschrift der Tagebücher geht hervor, daß er damals einen Tag lang überhaupt nicht 
zum König gerufen wurde. Eine ähnliche Darstellung, die er von dem Verhalten des Königs bei dem bald darauf 
erfolgten Code der Markgräfin von Baireuth gibt, läßt sich durch die Tagebücher auf ein geringeres Maß der 
Zutraulichkeit des Königs zurückführen. Auch damit übertreibt de Catt, daß er allein es gewagt habe, Friedrich die erste 
Meldung von der Niederlage bei Maxen 1759 zu machen, während die Generaladjutanten sich nicht dazu entschließen 
onnten. Derartige kleine Verschiebungen der Tatsachen zu eigenen Gunsten, wie sie Memoirenschreibern leicht in die 
Feder kommen, vermögen aber das freundliche Bild nicht zu trüben, das wir von den wesentlichen Beziehungen beider 
Männer uns zu machen in der LCage sind. In anmutig reizvoller Weise werden sie durch die elf Gedichte beleuchtet, 
die Friedrich, sich in de Catts Cage versetzend und seine Stimmung wiedergebend, an dessen Braut richtet. Wenige 
Monate nach seinem Eintreffen beim König im Mai 1758 zeigte de Catt ihm einige Verse, die er an eine seiner 
S„chönen gerichtet hatte. Der KRönig las, kritisierte sie und sagte ihm dann, er werde ihm ein anderes Gedicht machen, 
iachdem er sich vorher erkundigt hatte, ob die Schwärmerei schon zu einem Kusse geführt habe, und eine verneinende 
Antwort darauf erhalten hatte. Vier Jahre später, 1762, verlobte sich de Catt mit Ulrike Kühn, der Tochter eines 
aus der Schweiz gebürtigen, wohlhabenden Kaufmannes, der mehrere Jahre als preußischer Konsul in Petersburg 
gelebt! und sich dann in Berlin ansässig gemacht hatte. D'Argens schreibt über sie am 9. August 1762 an den 
KRönig: „J'ai vu la promise de M. de Catt; elle m'a paru très-aimable, elle est fort jolie et tout le monde dit 
beaucoup de bien de son caractéère. Ce n'est pas pour un homme de lettre une petite affaire que d'avoir une 
bonne femme. . .“ D'Argens hatte im Alter von 55 Jahren auch erst vor drei Jahren geheiratet. In dem Anhang 
zu seinen Cagebüchern? erzählt de Catt, wie der König dazu kam, diese Gedichte zu machen. Nachdem er von seiner 
Verlobung gehört hatte, fragte er ihn in einer guten Stunde, ob er denn seiner Verlobten schon Verse geschickt habe, 
was de Catt wieder verneinte. Darauf regte ihn der König zu einem Versuche an und versprach, das Gedicht zu 
korrigieren. Am folgenden Tage übergab ihm de Catt seine Verse, der König verbesserte sie und fügte einige Verse 
pinzu; einige Tage später aber hatte er selbst ein Gedicht gemacht, in dem er die zukünftige Lebensführung des jungen 
Paares besang. Es folgten in der Zeit vom Mai bis September zehn andere, davon eins an die Mutter der Braut. 
Meistens enthalten sie Rlagen über die Trennung. 
Heéureux qui vous adore et qui vous le peut dire, 
Ualheureux comme moi qui ne peut que l'écrire 
ndet das dritte. „J'aimerais mieux, je vous l'avoue“, schreibt er am 14. Juli an de Catt, „expulser le maréchal 
Daun de la Silésie que de faire de mauvais vers; mais l'un est plus aisé que l'autre. Je fais ce que je puis 
»t je me borne à mes faibles talents,“ und drei Tage später: „Vous parlez? de mes vers comme s'ils valaient 
uelque chose, et je vous assure que j'en connais moi-mèême la faiblesse et les défauts. Quand j'en ai le temps, 
'en sais d'un peu moins mauvais. Pour ceux-ci, écrits au milieu de l'agitation, du trouble et des inquiétudes, 
ompagnes des expéditions militaires, ils ne sont bons que pour le moment, et pour flatter la personne à laquelle 
ls sont destinés. Les semmes n'y prennent pas garde de si près; tous les vers qui leur disent des douceurs, 
sont bons à leurs yeux. Je crois que ceux-ci rempliront le but, n'étant faits que pour plaire, et n'ayant point 
soutenir l'examen rigoureux des d'Olivet et des FréronsS.“ Darauf antwortet de Catt am 16. und 18. aus Breslau: 
J'enverrai à ma belle une des pièces dont elle sera sSGrement charméöôe. Quel plaisir touchant d'éêtre chantée 
par un si grand homme, que de motifs pour elle et moi à mériter les bontés dont V. M. voudra bien nous 
nonoret et pour éêtre, l'un et l'autre. ce du'Elle me fit l'honneur de me dire que nous devions être! Notre 
Politische Korrespondenz Friedrichs des Großen, III, S. 183, 540. — s. 4572. — * Euvres XXIV, AVr. q, 10. Ueber Freron 
iehe 5. 67f.; d'Olivet war der Verfasser des Traité de la prosodie frangaise 1736, eines der auch vom Nönig bei seinen Dichtungen viel 
enutzten Handbücher der französischen Sprachwissenschaft. Er spielt als gefürchteter Kritiker besonders in der Rorrespondenz mit Voltaire 
ine große Rolle und bhat auch gelegentlich den Könia vor seinen Richterstuhl gezogen. — * Kal. Bausarchiv
	        
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