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IV. Des Königs Vorleser

Full text: Friedrich der Grosse und seine Bücher / Krieger, Bogdan (Public Domain)

deren man ihn in öffentlichen Blättern schuldig erkläre. Eine ähnliche Auffassung von einer unbedeutenden, auf 
persönliche Gereiztheit zurückgehenden Verschuldung und nur leichten Bestrafung des Abbé spricht aus der Darstellung des 
Brafen Kalckreuth in seinen bereits herangezogenen Paroles!. Bei der Voreingenonmmenheit des Verfassers gegen den 
Uönig ist die Richtigkeit seiner Anschauung schon an und für sich stark in Frage zu ziehen. Wie wenig sie berechtigt ist, 
weist Gundlach in seiner aufangs zitierten Abhandlung in der Deutschen Revue vollgültig zurück. Es erübrigt sich, seine 
Beweisführung hier noch einmal vollständig aufzurollen. Er legt klar, daß es durchaus des Königs Absicht war, de Prades 
dis zum Ende des Siebenjährigen Urieges in Festungshaft zu halten, und daß auf die Verwendung des Prinzen Heinrich 
zurückgehende Erleichterungen, die ihm während seiner Gefangenschaft zuteil wurden, die schärfste Mißbilligung des Rönigs 
erfuhren. Mit Recht erweist er, daß der kein Jahresdatum tragende Brief des Königs an d'Argens, nur „ce 14 au 
zoir“ überschrieben, in dem von der eben erfolgten Freilassung de Prades' die Rede ist und auf dem seine Verteidiger 
ußen, von Preuß in seiner Ausgabe der Werke Friedrichs des Großen fälschlich in den Anfang des Jahres 1758 gesetzt 
ist und daß er in den April 1705 gehört, also in die Seit unmittelbar nach der Freilassung de Prades', der danach 
über sechs Jahre in Gefangenschaft war. Daß dieser bis zum Frühjahr 1765 in Magdeburg inhaftiert war, wird vor 
allem erwiesen durch den Dankesbrief, den de Prades am 9. April 1763 an den König richtete und der sein Schuldbekenntnis 
inthält?. Der Abbeé dankt zunächst für seine Befreiung und drückt dann sein Bedauern darüber aus, das Unglück gehabt 
zu haben, dem König zu mißfallen. Er bittet ihn, dies zu vergessen und zu bestimmen, ob er sich nach Breslau in sein 
Uanonikat begeben solle oder ob er sich zur Regelung seiner Angelegenheiten zwei Tage in Berlin aufhalten dürfe. 
Dann beklagt er sich darüber, daß der Fürstbischof von Breslau ihm seine Einkünfte vorenthalten habe, so daß er 
nicht wisse, was aus ihm geworden sein würde, „si le destin qui se plait à se jouer des hommes ne m'avait fourni 
uin moyen extraordinaire pour me tirer des affaires,“ d. h. wenn er nicht im Spiele Geld gewonnen hätte. Der 
Uönig beschied ihn am 17. April, nach Glogau zu gehen und dort in Frieden seine Einkünfte zu verzehren. Er warne 
ihn, sich jemals wieder in eine briefliche Verbindung einzulassen, namentlich nicht mit dem Bischof von Breslau — 
dieser hatte den Rönig inzwischen ebenfalls verraten —, sonst werde er neues Unheil über sich heraufbeschwören. Je 
ruhiger er in Glogau lebe, um so besser werde er sich dabei befinden. Daß Friedrich den Aufenthalt des Abbé in 
Hlogau als eine, wenn auch milde Haft ansah, geht daraus hervor, daß er auf ein von ihm am 24. Februar 1764 
eingereichtes und vom Domkapitel in Breslau unterstütztes Gesuch, dorthin gehen zu dürfen, am 9. März strengstens 
dahin verfügte, de Prades solle sich nicht aus Glogau rühren und nicht wagen, nach Breslau zu gehen. 
Abgesehen von der Beschränkung seiner Bewegungsfreiheit führte de Prades in Glogau das Leben eines großen 
Herrn. Wie aus seinem Testament hervorgeht, hielt er sich an Dienstpersonal eine Köchin, einen Diener, einen LUutscher 
ind einen Jäger. Er war auch mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt. In seinem Nachlaß fand sich eine Ueber— 
etzung des Tacitus in das Französische vor, die, wie Thiebault in seinen Erinnerungen erzählt, auf des Königs Befehl 
der Akademie zur Prüfung vorgelegt wurde. Obwohl 2Nerian sie für sehr gut erklärte, fand sich kein Berliner Buch— 
händler, der den vom König bestimmten Preis von 100 Friedrichsdor dafür geben wollte. Daher wurde das 
Manuskript der Familie des Abbé zugeschickt; es ist aber auch in Frankreich nicht gedruckt worden?. Cange Zeit 
zlaubte man, daß de Prades auch Memoiren hinterlassen habe. Die Veranlassung zu dieser Annahme gab wohl das 
Vorhandensein eines in Glogau aufbewahrten Manuskripts von Andreas de Francheville, das eine von ihm im 
Jahre 1788 niedergeschriebene BViographie des Abbé de Prades enthält. J. Blaschke hat in seinem Aufsatz: „Abbe 
de Prades, Vorleser Friedrichs des Großen“ die Arbeit Franchevilles fast wörtlich wiedergegeben, allerdings mit 
Auslassung einiger interessanter Stellen über die Verhaftung de Prades'. Die Tendenz der Biographie Blaschkes ist, 
unter Zugrundelegung der Darstellung Franchevilles, die Bestrafung des Abbé auf eine Verstimmung des Königs gegen 
den Prinzen von Preußen zurückzuführen, der kurz vor der Verhaftung de Prades' seinen unglücklichen Rückzug in die 
1A. a. O., S. 46—- 49. — 2 Der Brief befindet sich im Kgl. Geheimen Staatsarchiv zu Berlin. Akta des Kabinetts. R. 96. — 
CThiébault. Mes souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin. Daris 1813. IV 50—
	        
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