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III.

Full text: Die Versuchungen des Herrn Welsch / Ostwald, Hans (Public Domain)

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„Wer weiss, was für schlimme Sachen das 
sind? Wer weiss, was Sie Schlimmes erlebt 
haben - 
Er wurde feuerrot und fühlte sich schuld- 
bewusst. Stotternd wehrte er sich: 
„Neir —- nein — so ist das wirklich 
nicht - 
„Na: Ihr Junggesellen —‘* sie machte 
eine wegwerfende Handbewegung, ohne die 
Nadel loszulassen. „Wir jungen Mädchen 
wissen ja nichts davon, - wir erleben ja 
nichts. Wir wissen ja nichts vom Leben —*“ 
Ihm war, als klinge da eine heimliche 
Sehnsucht aus ihrem Ton und aus ihren 
Worten. 
Verwundert starrte er sie an. Nun ja — 
sie mochte wohl in dem Alter sein, in dem 
ein junges Mädchen nach Erlebnissen verlangt. 
Aber diese Erlebnisse, Cie er gehabt, waren 
doch nichts für Cic Ohren solcher Damen. 
„Gnädiges Fräulein, — das — das —“ Er 
wusste nicht weiter und stand auf. In seiner 
Verlegenhei‘ beugte er sich über das Geländer, 
um auf die Strasse hinabzusehen und dort 
irgendeinen Gesprächstoff zu erhaschen. 
Unten ging gerade Mutter Bonin, die Grün- 
kramhändlerin, über den Damm. Mit einer 
grossen Kuchentüte kam sie aus einem Bäcker-
	        
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