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II.

Full text: Die Versuchungen des Herrn Welsch / Ostwald, Hans (Public Domain)

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er mit milder Stimme. „Ich weiss, wie’s im 
Leben zugeht. Ich weiss es... Vor mir 
braucht sich kein Mensch aufzuspielen. Ich 
bin auch nicht einer von der Sorte, die sich 
aufspielen. Ich habe auch schon manches 
hinter mir. Ach, du lieber Gott, — ich habe 
das Leben kennen gelernt!‘ 
Dies Bekenntnis veranlasste sie, den Kopf 
zu heben und ihn anzusehn. Er fühlte ihren 
fragenden Flick, 
„Ja — ja — ich hab’s kennen gelernt!“ 
wiederholte er mit einer schlecht verhehlten 
Melancholie im Ton. Er wartete, dass Sie 
lächeln würde, denn das hatten sie alle getan, 
denen er sagte, dass auch ihn das Leben nicht 
nur durchs Schlaraffenland geführt, da Milch 
und Honig ‘erst und die gebratenen Tauben in 
den offenc‘ und fliegen, da nichts als die 
schönsten Plıımen blühen und jedem, der nicht 
gehen mag, zwei herrliche Flügel wachsen. 
Ach nein - er hatte auch seine Ssteinige 
Strasse gehn müssen. Seiner Mutter zu Liebe 
hatte er sich durchs Cvmnasium gequält, hatte 
nach ihrem kurz nach bestandener Reifeprü- 
fung erfolgten Tode sich von einem Freund 
in die Politik hineinziehen lassen, hatte wegen 
angeblicher Majestätsbeleidigung ein Jahr ab- 
sitzen müssen, — und noch mehr solcher
	        
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