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IV.

Full text: Die Versuchungen des Herrn Welsch / Ostwald, Hans (Public Domain)

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wurde. Alle sahen mit lachenden Gesichtern 
einem jungen, bärtigen Mann zu, der mit um- 
gekrämpten Hemdsärmeln und bis über die 
Knie hochgestreiften Hosen einen Seiltänzer 
nachahmte. Er ging nicht auf einer aus- 
gespannten Schnur, sondern auf einer Fuge der 
Holzdielen. Doch schwankte und wankte er 
so sehr und balancierte so heftig, wie wenn er 
auf einem str£** mesnannten Seil mit aller Mühe 
das Gleichgewicht his!ten müsse, wendete, ging 
rückwärts Hess sich ins Knie sinken und erhob 
sich wieder, langsam — vorsichtig, wie wenn 
er bedacht sein müsse, nicht vom Seil abzu- 
stürzen in die Tiefe unter sich, 
Das alles machte einen solchen unwider- 
stehlich lächerlichen Eindruck, dass alle An- 
wesenden lachten. Welsch selbst war erst ver- 
blüfft, musste dann aber mitlachen, bis ihm die 
Tränen kamen. 
Als der künstlerische Seiltänzer geendet, 
klatschten alle Beifall und riefen ihn, der sich 
ins Neben-immer zurückgezogen, heraus, wie 
einen richi'nen Zirkuskünstler. 
„Boll! Bell!“ 
Der *'n-- Mann kam und machte mit den 
Händen una Füssen eine jener gesucht zier- 
lichen Verbeugungen, wie sie bei den minder- 
wertigen Gauklertruppen noch üblich Sind.
	        
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