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Full text: Strafsache van Geldern / Hyan, Hans (Public Domain)

Am Richtertisch, den die Geschworenen und Bei⸗ 
sitzer schon verlassen hatten, stand der Landgerichts⸗ 
direktor zusammen mit Doktor Vierklee. 
Hallmanns Gesicht hatte den Ausdruck des großen 
Richters verloren. Ein Mensch wollte sich rechtfertigen, 
der von einem anderen nicht mehr verstanden wurde. 
„Sie wissen, Herr Rechtsanwalt, daß ich im all⸗ 
gemeinen durchaus kein drakonischer Richter bin! 
Der leidende Mitmensch ist, auch wenn er schuldig ist, 
für mich Gegenstand des Mitgefühls. Aber Ihr Klient 
hat nach meiner Empfindung wenig Anspruch darauf.“ 
„Mir ist offengestanden Ihr ausnehmend schroffes 
Vorgehen in diesem Fall vollig unverstaͤndlich, Herr 
Landgerichtsdirektor.“ 
Hallmann zögerte. Endlich sagte er, und unter 
seinen Worten spürte Vierklee merkwürdig fremde Er⸗ 
regung: „Wenn Mann gegen Mann kampft, meinet⸗ 
wegen auch in verbrecherischer Weise, so kann ich das 
begreifen! Aber ein Mann gegen ein Weib ... eine 
Frau, die ihn obendrein liebt, und wenn sie zehnmal 
zänkisch und eifersüchtig ist — nein! Ich habe, als 
ich jung war, eine Verwandte gehabt, ein Mädchen 
von achtzehn Jahren, das ich gern hätte heiraten 
wollen. Sie wurde nachts auf dem Heimwege von eben⸗ 
solchem Schurken ermordet ... in einer bestialischen
	        
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