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Full text: Strafsache van Geldern / Hyan, Hans (Public Domain)

hatte Martha mit dem blonden Maͤdchen in dem kleinen 
Extrazimmer gleich neben dem Korridor bei einer 
Flasche Chartreuse gesessen. Das Zimmer war voll 
von dem Qualm der schweren türkischen Zigaretten, 
die er nicht leiden mochte. Und in dem Augenblick, als 
er, offenbar unvermutet, hereinkam, hatte Martha 
ein blaues Foulardtuch über den kleinen Tisch ge⸗ 
worfen — nicht schnell genug, als daß er nicht eine 
ganze Handvoll Schmucksachen auf dem Tisch hätte 
liegen gesehen. Er war mit einer Entschuldigung aus 
dem Zimmer gegangen, hatte drüben im Atelier mit 
der Direktrice gesprochen und nach kurzer Zeit die 
blonde Frau fortgehen sehen. Das alles lief jetzt in 
Sekundengeschwindigkeit durch sein Erinnern. Er 
wollte schon den Mund öffnen, um es vorzubringen, 
aber eine Schlaffheit, eine gefährliche Unlust, sich jetzt 
noch an seinen Dingen aktiv zu beteiligen, hielt ihn 
nieder. Er fühlte, daß er hätte sprechen müssen, aber 
er sprach nicht. 
Und plötzlich aus dem Kampf zwischen Gleich⸗ 
gültigkeit und Lebenswillen wurde er aufgestört durch 
den Ruf: „Die Zeugin Minna Müller!“ 
Vorbei! stöhnte es in ihm, und eine kranke, selbst⸗ 
zerstörerische Befriedigung legte sich wie eine träge, 
ölige Schicht auf seinen Widerstand. 
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