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Varieté

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

„Du willst nicht, Liebster, du willst nicht?!“ 
„Aber ja, Juana, ja, ich will alles, was du 
willst. . . nur ... ich bin doch kein Straßenräuber! 
... ich kann doch keinen totschlagen.“ 
Sie starrte, die langen, spitzen Nägel in das 
Fleisch der weißen Hände bohrend, vor sich hin. 
Wie gestorben, hing sie bewegungslos in ihrem 
Stuhl. Dann mit der stets und selbst in letzter 
Ekstase berechneten Pose der Hysterischen warf sie 
den bleichen Kopf mit seiner blauschimmernden 
Flechtenkrone zurück und sagte, wie in einem un— 
widerruflichen Entschluß: 
„Also muß ich's selber tun! Den Worgen er⸗ 
lebt er nicht!“ 
Den einstigen Rennreiter, der sein Leben hun— 
dertmal verwettet hatte, den die Pistolenkugel so 
wenig schreckte wie ein Pferd, das niemand sonst 
reiten konnte, der kleine Gert von Tassetor schau⸗ 
derte. 
„Ich werd' mit ihm um deinen Besiz spielen, 
Juana... willst du?... er verliert sicher!... er 
muß ja verlieren!“ 
Sie lachte ganz heiter, niemand hätte ihrer 
Seele Hohn und Verzweiflung aus dem Lachen 
erraten: 
„Dann gewinnt er sicher!“ 
„Nein, er kann nicht gewinnen!“ 
„Und wenn du falsch spielst und er verliert — 
denkst du etwa, er läßt mich gehen? Das gilt doch 
nicht, vor keinem Gericht! Ha!... albern! Wir 
sind doch verheiratet, Gert, verheiratet!“ Sie zog 
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