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Danse macabre

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

neten. Der Saal, sehr geschickt in der Höhe ven— 
tiliert, duftete auf einmal wie ein Waigarten. 
Dann ließ sich der Doktor nieder. Kein Mensch 
bekümmerte sich um ihn, nur die kleine WMatthé 
von der Kunstschule und ein Kollege von ihr 
saßen bei ihm, mit denen lachte er; man hörte 
seine tiefe Stimme manchmal über den übrigen. 
Dagny wollte natürlich zuerst tanzen. Ihre 
Elfengestalt war eigentlich nur denkbar in solcher 
Gelöstheit von allem Gebundenen, aller Schwere. 
Zwei aus der Runde spielten, einer die Bala— 
leika, der andere die Flöte — eine unmögliche 
Musik, doch wie mit feurigen Ruten die Seelen 
peitschend. Eine Russin sang dazu, klagend, hilfe— 
heischend. Und Dagny tanzte. Der Dichter wen⸗ 
dete kein Auge von ihr... Was tanzte sie eigent⸗ 
lich? Wer schrieb ihr das?... Eine rasende 
Eifersucht faßte nach ihm mit ihren vergifteten 
Krallen. 
Jetzt schwieg die Balaleika, dann auch die 
Flöte. Zwei Spanier ließen, der eine Kastag— 
netten, der andere seine schlanken, nervigen 
Hände klappen und riefen taktmäßig: „Hollé! 
Hollé!“ 
Da sah Hippolyt die sonnenheiße Placa major 
in St. Esteban vor sich. Ein paar Akazien gaben 
vor den unansehnlichen Häusern wenig Schatten. 
Die Sonnenscheibe stand tief und golden über dem 
Abend. Auf der Placa war das ganze Städtchen 
versammelt. Und auf einmal tönte von irgendwo 
eine Melodie, die wie süßer Peitschenschlag wirkte. 
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