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Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

zurückgekehrt. Sie sah ihren Kavalier mit dank⸗— 
barem Blick an, den er feurig erwiderte ... 
„Seien Sie nicht böse, mein gnädiges Fräu— 
lein, aber was mich wundert, ist, daß Ihre An⸗ 
gehörigen Sie so allein fort lassen, wo Sie noch 
leidend sind?“ 
Sie begriff den Zweck seiner Frage sofort, und 
mit einem Lächeln, das er sich in seiner Weise 
deuten konnte, erwiderte sie: „O, ich habe nie— 
mand!... Ich stehe ganz allein...“ 
Ihre langen Wimpern senkten sich, und der 
süßrote Mund zuckte wie in verhaltenem Weh. 
„Das ist sehr traurig... wenn man noch so jung 
ist...“ 
„Ja,“ sagte er, dem sie jetzt wirklich leid tat, 
„sehr traurig!“ 
„Gott sei Dank hab' ich Vermögen!“ seufzte sie. 
Ah!l... Also richtig, Vermögen hat sie! Na, 
das hatte er ja von vornherein gewußt! Die Sache 
wurde wirklich immer interessanter! 
„Ja, aber wenn ich auch nicht gerade arbeiten 
muß für meinen Lebensunterhalt,“ plauderte sie 
mit ihrem müden, resignierten Stimmchen, „es 
ist doch sehr schlimm für ein junges WMädchen, 
wenn sie so gar niemand hat... ich bin gewiß 
nicht prüde! Aber vieles, was man in Gesell⸗ 
schaft seiner Angehörigen ruhig mitmachen kann, 
das bleibt einer einzelnen Dame ein für allemal 
verschlossen.“ 
„Ja,“ sagte er mit einem Lächeln, das unter 
dem schwarzen, wohlgepflegten Schnurrbart die 
sehr starken weißen Zähne sichtbar werden ließ, 
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