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Der blasse Albert

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

Der MWeister hatte sich nach hinten an den 
Stuhl gelehnt und schluchzte reichlich in sein 
weißseidenes Tuch. 
Albert, der ihm gegenüber saß, begriff diese 
Tränen nicht. Was war denn da viel zu reden? 
Er sollte die Trude schlecht behandeln, seine 
Trude? Hell auflachen hätte er können. 
Und seine Augen, die über den kleinen, gleich 
ihm im Frack und weißer Weste steckenden Schwie— 
gervater hinglitten, blieben an der breiten, gol⸗— 
denen Uhrkette hängen, die ein bißchen protzig das 
runde VBäuchlein zierte. Diese Uhrkette hatte 
ihn schon hundertmal gelockt. Welch ein Spaß, 
sie dem Alten abzuknöpfen! Und es ginge so leicht; 
ein sanfter Druck von unten gegen die Westen⸗ 
tasche und mit der anderen Hand den Karabiner⸗ 
haken aus dem Knopfloch — das ist ein Moment! 
Der Gehilfe verzog sein Gesicht zu einer 
weinerlichen Grimasse, weil er sonst unweigerlich 
hätte lachen müssen, bei dem Gedanken an den 
Lärm, den die Schwiegermutter schlagen würde, 
wenn ihr Wann plötzlich seine Uhr nicht mehr 
hätte. 
„Wirste denn ooch jut zu ihr sein, Albert?“ 
fragte der Barbier nochmals, sich in seiner Rüh— 
rung das letzte Glas Wein aus der Flasche ein⸗ 
gießend. 
„Aber, Papa...!“ 
„Jib mir de Hand druff!“ 
Albert reichte ihm die Rechte, und in über—⸗ 
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