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Diamantenheinrich

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

Vier Wochen später wohnte der Blonde schon 
bei Frau Pinkus, und am Ende des zweiten 
Wonats trat sie, trotz des verzweifelten Wider⸗ 
standes aller ihrer Verwandten, mit Diamanten— 
heinrich unter die Chuppe (der jũdische Trauhim— 
mel)... Er hatte sich taufen lassen und war Jude 
geworden. 
Sie trug ihn auf Händen und seine trotz der 
zarten Schönheit des äußeren Menschen recht rohe 
Seele hatte sich verblüffend schnell an ihre, obenein 
andersrassige Häßlichkeit gewöhnt. Nur ihre Eifer⸗ 
sucht machte ihm zu schaffen; denn seine Charakter⸗ 
schwäche war, wie jeder anderen Verlockung, auch 
dem Lächeln der Frauen gegenüber stets zum Nach— 
geben bereit. Dann weinte und tobte die Frau, 
um sich nach ein paar Stunden wieder mit ihm 
zu versöhnen... Er hatte eben einen derartigen 
Zornesausbruch hinter sich und stand, innerlich 
schon wieder ganz ruhig, vor der Haustür, als 
Schmuser kam. Sie begrüßten sich. 
„Nu, Heinrich, is deine Frau da?“ 
Der nickte lachend. 
„Aber ich kann da' raten, jeh nich ruf, Schmu— 
ser!... Mir hat se schon beinah' umjebracht ...“ 
Schmuser war bereits auf der Treppe. Frau 
Pinkus' Gatte hörte ihn oben klingeln, dann, nach 
einigen Minuten der Stille einen heftigen Wort— 
wechsel vor der Tür... und gleich danach war 
Schmuser wieder unten, ganz blaß, mit gefalteter 
Stirn und zusammengekniffenen Lippen. 
Aber er gab sich große Mühe, seinen Arger 
nicht merken zu lassen. 
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