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Diamantenheinrich

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

einen sehr zierlichen Fuß und einen ganz entzük— 
kend geformten Busen hatte. Ihre weißen, wie von 
einem Künstler gearbeiteten Finger funkelten von 
Edelsteinen, und über der Brust, die durch die 
Spitzeninterdeux der Seidenbluse verführerisch hin— 
durchsah, trug die Jüdin einen Brillantschmuck von 
wunderbar reinen, wie ein Feuerwerk blitzenden 
Diamanten. 
Heinrich Bahlke, der in seinem Geschäft allmäh— 
lich Kenner geworden war, bekam die Augen gar 
nicht los von dem Schmuck. Und kaum sagte er 
ihr ein paar Worte darüber, so hatten sich auch 
schon zwei Seelen gefunden, deren Entzückungen 
dieselben waren. 
„Nu scheen,“ sagte schließlich die Pinkus, „aber 
darum sind Se doch nischt hergekomm'l... Was 
haben Se denn?“ 
Dabei ging sie voraus und geleitete die beiden 
jungen Leute zurück in ihr Privatkontor. Blieb 
aber auch dort nicht. Eine Tür öffnend, die in 
einen schmalen Gang führte, winkte sie den beiden, 
und kam mit ihnen an eine Treppe, die hinauf— 
ging in den ersten Stock, in ihre Privatwohnung. 
„Dis hat mein Mann noch machen lassen, da' 
Pinkus. Gott hab 'n selig!...“ 
„Ach, der is tot?“ sagte Diamantenheinrich. 
Sie nickte nur, und er merkte, daß sie kein Auge 
von ihm verwandte. Darauf lächelte er ihr mit der 
gewohnheitsmäßigen Koketterie hübscher Männer 
frech zu und faßte ihre Hand indem er sagte: 
„Allzuviel arbeeten tun die woll ooch nich? ... 
Die sin ja wie aus Zucker!“ 
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