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Diamantenheinrich

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

Jedermann sah, es war ein einwandfreies Ge⸗ 
schäft, ein Kleiderhandel, wie sie in jener Gegend 
so häufig sind und gut florieren. Ein Kommis mit 
den schlenkrigen Bewegungen der Anreißer kam den 
Beiden entgegen. 
„Was winschen Se?... Womit kann ich Sie 
dienen?“ 
Schmuser winkte ihm ab. 
„Mach Schabbes, Baruchleben!.. . De Frau 
woll'n wa sprechen!“ 
„Ach, du bist's!.. . Chammer mit de Wichtig—⸗ 
keitl.. . De Frau will a sprechen!.... Heißt 'n 
Zustand!“ 
Schmuser, im Gefühl der Bedeutung des großen 
Geschäfts, das er vermitteln wollte, wurde ein 
wenig ärgerlich. 
„Also is de Frau hier oder is se nich hier?“ 
„Se is hier!... Da is se schon!“ 
Indem öffnete sich die Glasstür, die den Raum 
links vom Kellereingang abschloß. Frau Pinkus 
kam. 
Frau Pinkus war höchstens fünfunddreißig 
Jahre alt, das brandrote, sehr starke Haar trug sie 
hochfrisiert, und darunter blickten große, grünliche 
Augen, deren sehr helle Wimpern und Brauen 
diesem über und über mit Sommersprossen bedeck⸗ 
ten Gesicht etwas Frappierendes gaben. Aber das 
Schlimmste war die Vase, die große, bis über den 
Mund hin gebogene Judennase, die ein Mann 
nicht hätte haben dürfen, ohne häßlich zu sein. Äber 
diesem Gesicht vergaß man sogar die schiefe Schulter 
der Frau, die übrigens wunderbar schöne Hände, 
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