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Der blasse Albert

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

und wer mehr wie einen Tag im Rückstand blieb 
mit der Zahlung, der flog unweigerlich raus. 
„Da haste also nebenbei jefaßt,“ sagte die alte 
Frau, die jeden mit „Du“ anredete, nachdem ihr 
der blasse Albert rückhaltslos alles erzählt hatte. 
„Ja, un wissen Se, Mutta Pfeiffern, ick kann 
Ihn' ja nich sagen, wie mir war. Dis war plötz⸗ 
lich, wie wenn ick Eis in de Adern hätte.. un 
dabei war ich janz ruhig, ick sah' mir fermlich 
selba, wie ich die Padde wieder retour schob.. 
Aber denn, wie ick wech wa, da hat's mir in alle 
Adern jerieselt, wie in so 'ne Wassaleitung .. 
un mein Herz schlägt jetzt noch, fühlen Se bloß 
mal. Mutta Pfeiffern!“ 
Die alte Frau legte ihm die Hand auf die 
Brust und sagte: „Ja, ja, du sehst ooch blaß aus, 
Sehnchen, un et kommt ma vor, als wennste auch 
bedeitend magerer jeworden werst, seit wa uns 
nich jesehn ham... so jelb sehste aus.“ 
Der blasse Albert nickte: 
„Det hat der Dokta in de Pletze! ooch jesagt. 
Er meente, wenn ick noch mal wiederkäme, denn 
sollte ick man lieber vorher schon mein Testament 
machen... un et is ja ooch ja keen Wunda. 
Denken Se denn, Mutta Pfeiffern, ick habe dadrin 
wat essen kenn'? Un ewig erkältet! FJetzt, wo ick 
draußen bin, da is ma wieder janz wohl.“ 
Die alte Frau lachte: 
„Ja, aber wie lange?“ 
1) Pleue — Nlötzensee. 
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