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Die Zeugin

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

Frau Else schüttelte nur den Kopf. Die dunk— 
len Augen unter dem hellen Haar wichen dabei 
nicht von dem Pultdeckel. 
„Also, bitte, Frau Hagenau, sehen Sie mich an 
und erheben Sie die rechte Hand ...“ 
Die schmale Rechte der jungen Frau, von 
welcher der dänisch-lederne Handschuh schon ab— 
gestreift war, kam zögernd herauf. 
„So... und nun sprechen Sie mir nach: „Ich 
schwöre, bei Gott dem Allmächtigen und All— 
wissenden, daß ich die reine Wahrheit sagen, 
nichts verschweigen und nichts hinzusetzen werde 
so wahr mir Gott helfe!“ 
Sie wiederholte; ihre weiche Stimme ging 
zögernd über die Worte hin, setzte ruckweise an 
und schien nur mit Anstrengung dieser sich so 
heftig an den göttlichen Namen klammernden 
Formel Herr zu werden. 
„Also, nun sagen Sie uns bitte, was Sie zu 
der Sache selbst bekunden können.“ 
Die junge Frau schwieg lange, dann sagte sie 
mit einer Bewegung, als wolle sie sich nach links, 
der Anklagebank zuwenden: 
„Ich weiß nichts.“ 
„Hm.. .“ Der Präsident dachte ein wenig 
nach, lieh dann das Ohr einem der Beisitzer, der 
ihm etwas zuzuflüstern hatte, und meinte schließ— 
lich: 
„Sie erinnern sich nicht, Frau Hagenau, einen 
von den beiden Angeklagten jemals gesehen zu 
haben?“ 
„Nein.“ 
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