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Im Möbelwagen

Full text: Galgenvögel / Hyan, Hans (Public Domain)

Im Möbelwagen 
Es hatte gefroren, und der erste Schnee war 
vom Himmel gefallen. Darüber kalt und blank 
die Wintersonne. Aber gegen Abend wurde die 
Sonne blutrot, der ganze Westen färbte sich mit 
Purpur, und mit finsterer Strenge brach die 
Nacht herein. 
Draußen in dem Berliner Vorort Wilmers—⸗ 
dorf zwischen den letzten Häusern standen auf 
einem einsamen, nur von einem Drahtzaun um—⸗ 
gebenen Gelände eine ganze Anzahl großer, ver—⸗ 
schließbarer Möbelwagen. Um den Drahtzaun 
schlichen, abseits der Straße, zwei Männer. 
„Hm... hier muß et jleich sind!“ sagte der eine 
mit heiserer Stimme und tastete nach der Lücke 
im Drahtzaun, durch die er, sich zusammen— 
kauernd, seinen Körper zwängte. 
Endlich war er durch. Er stöhnte. „Na?“ sagte 
er dann zu dem noch Draußenstehenden. Diesem 
wurde bei seiner Magerkeit das Durchkriechen 
leichter. Sich dicht an den Gefährten haltend, 
flüsterte er: „Wer'n wir denn auch noch rein⸗ 
fkommen?“ 
„Na immer! Det war ja noch scheener! Wer 
hat denn die Penne ausbaldowert? Ick doch!“ 
Sie gingen jetzt vorsichtig auf dem mit Gras 
bedeckten Boden zwischen den Wagen hindurch. 
Hdans Hyan, Galgenvögel. 
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