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X. Rückfällig

Full text: Wie ich Hauptmann von Köpenick wurde / Voigt, Wilhelm (Public Domain)

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auf Grund des Strafgesetzes zu einem milderen Urteil 
verhelfen würde, erfüllte sich nicht. Der Gerichtshof 
schloß sich nämlich dem Antrage des Staatsanwalts 
voll und ganz an. Der Gerichtshof hatte also ein 
Urteil gefällt, das nach meiner Meinung weder mit dem 
Strafgesetze noch mit der Strafprozeßordnung in Ein— 
klang zu bringen war. 
Ich hatte das Gefühl, daß durch verschiedene Um— 
stände ein Urteil geschaffen wurde, das durch Rechts— 
mittel angreifbar sein mußte. Leider aber wußte ich 
nicht, welchen Weg ich betreten oder welches Rechts— 
mittel ich anwenden mußte, um eine Aufhebung oder 
Abänderung des Urteils herbeizuführen. 
Ich hatte wohl dunkel davon gehört, daß man 
gegen ein Urteil appellieren oder Revision einlegen 
könne, wußte aber nicht, welchen Weg ich dazu ein— 
schlagen mußte. 
Nach meiner Zurückführung in die Gefängnisräume 
bat ich sofort um einen Gerichtsschreiber, um das er— 
forderliche Rechtsmittel einlegen zu können. Dieser er— 
schien jedoch erst am neunten Tage nach meiner Ver— 
urteilung und schon am elften wurde ich in die Straf— 
anstalt „Rawitsch“ überführt.
	        
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